B. Geräth. Spielgeräthe: Karten-, Brettspiele u. A. (1600—1700). 1145
duldet, denn etwa begünstigt. Dennoch Hessen sie diesen Zweig keines-wegs unbeachtet, sondern sorgten mindestens dafür, dass er in regelrechterWeise betrieben werde. So insbesondere in Frankreich , wo die imJahre 1613 seit 1584 zum zweitenmale erfolgende königliche Bestätigungder im Jahre 1581 zuerst angeordneten Satzungen der „Meister desKartenpapiers ( maistres cartiers ), Papiermacher, Verfertiger von Karten,Spielkarten (tarots), Blättern und Pappen (feuillets et cartons)“ von neuemeinschärfte „dass von ihnen Niemand Karten zu verfertigen befugt sei,der kein offenes Geschäft habe,“ und Karten als „regelrechte (vollkommene)Karten ( cartes fines ) weder verkaufen noch zum Verkauf auslegen dürfe,welche nicht vorn und rückwärts von feinem Kartenpapier in den haupt-sächlichen Farben von Indigoblau und Zinnober ( vermillon) ausgeführtsind.“ Auch sollten, in Wiedererinnerung alten Gebrauchs, die „ maistrescartiers“ streng gehalten sein „bei Strafe der Confiscation und zehn livresGeldbusse die Karte des Treff-Buben {palet de trefle: Lahire) jedesSpiels sowohl in der Länge als Breite des Randes mit ihrem Vor- undZunamen, Abzeichen und Spruch ( enseignes et devises) zu versehen.“ Diebildlichen Darstellungen dagegen erlitten auch ferner keinerlei Beschrän-kung, Abgesehen von der dafür hier und da je eigens hergebrachtenAnordnung, blieb ihre Ausführung im Allgemeinen dem Ermessen derVerfertiger, wie denn vorzüglich den Kartenmalern anheimgegeben.Obschon sich so fast in jedem Lande allerdings innerhalb einer gewisser-massen volksthümlich gebotenen Grenze fortbewegend, nahm nichtsdesto-weniger ihre Mannigfaltigkeit zu. Es betraf dies denn nicht nur dieblossen (Zahl-) Zeichen, denen noch immer, wenn auch nach der Mittedes Jahrhunderts in abnehmenden Maasse, mancherlei Figürliches undsonstiges Beiwerk hinzugefügt ward, als auch, besonders, die eigentlichenFiguren. Sie noch vorwiegend als ganze (ungetheilte) Figuren behan-delnd, stellte man sie zunehmend häufiger, statt wie vordem gemeinig-licher in römischer Kleidung u. s. w. (S. 906), in der jeweilig herrschendenTracht, und nicht selten selbst als Bildnisse gleichzeitiger höehstgestellterPersönlichkeiten, wie regierender Fürsten u. A., dar. — Wie sich dieBrettspiele einer kieinkunstgewerklichen ßethätigung zumeist darboten,so auch folgte vor allem ihre Ausstattung den Wandlungen des Geschmacksunausgesetzt am entschiedensten. Hinsichtlich der Stoffe und Verfahrungs-weisen fand indessen im Ganzen nur insofern noch eine Vermannigfachungstatt, als zu den dafür bereits beanspruchten Verzierungsmitteln, von denneu auftauchenden einzelne hinzutraten. Nicht allein dass, wie vornämlichwährend der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, diese Spiele nun zumTheil auch aus farbigem Glase und verschiedenen Metallen höchst künst-lich zusammengesetzt, auch wohl die Versetzsteine oder Figuren mitgrösster Sorgfalt aus Eisen geschnitten wurden (S. 1122), erhielten sie