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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

r aiisserdem mehrfach sowohl eine theilweise Durchbildung in erhobenerfarbiger Holzmosaik, als auch (später) vorzugsweise in der beliebtenBoule-Arbeit (S. 1120). Mehre kunstvolle Spiele der ersten Art fertigteHans Georg Fischer zu Eger. Eines derselben mit seinem Namen undder Jahreszahl 1661 besitzt das Museum zu Berlin , zwei andere dasGrüne Gewölbe zu Dresden . Jenes, ein Fuss acht Zoll im Geviert,enthält auf dem Deckel, in solcher Weise durchgefiihrt, eine figurenreicheDarstellung der Schlacht von Zama, im Innern farbig musivische Flach-arbeit, und jeder der Brettsteine auf der einen (oberen) Fläche wiederumin erhobener Arbeit allerlei Kriegsgeräth. Die anderen Spiele sind demähnlich, auch ihre Deckel je mit einem Schlachtbilde geschmückt.Dass für Ludwig XIII. ein Schachspiel in Gestalt eines flachen Polstersnebst Figuren erfunden wurde, die darauf einzustiften waren, um sichdessen während des Fahrens zu bedienen, kann, falls die Nachricht über-haupt auf Wahrheit beruht, nur als vereinzelte Ausnahme gelten.

Die Musikinstrumente hielten mit der Vervollkommnung derMusik, wie solche sich in Italien , besonders durch Alessandro Scarlatti (16501725), Gründer der neapolitanischen Schule, bis zu ungeahnterHöhe als allgemein mustergültig vollzog, wohl rücksichtlich ihrer (Klang-)Veredlung ziemlich gleichen Schritt, doch ohne ihre rein äusserlicheGestaltung auch ferner wesentlich zu verändern. In dem Punkte bliebes, mit Ausscheidung einzelner und Einführung einiger neuen Instrumente,eben insofern hauptsächlich beim Alten, als sich die vielen nachhaltigenWandlungen, die sie zu Gunsten des Ohrs erfuhren, dem Auge zumeistgänzlich entzogen.

Die Orgel erfreute sich verschiedentlicher Verbesserungen, vondenen einzelne mit trefflichem Erfolge darauf abzweckten, die Herrschaftüber sie noch regelrechter zu erweitern und zu festigen. Wohl die be-deutenste darunter war die im Jahre 1630 (? oder 1648) von Ch. Förnerzu Wettin erfundeneWindwaage, ein mit Wasser gefülltes Kästchennebst einer in Graden eingetheilten Glasröhre, dergestalt durch eine Röhremit derWindlade verbunden, dass sich aus dem Aufsteigen des Was-sers die Stärke des Windes ermessen, mithin jedem Register das nöthigeMaass von Wind zuertheilen liess. Noch fernere Verbesserungen be-trafen einestheils die Pfeifen, sowohl ihre Metallmischung als auch ihreAnordnung, wobei es nicht an Ve r suchen fehlte ihren Ton durch obereund untere Deckung näher auszuprüfen, anderntheils das Manual, welches,bei oft zwei- und dreifacher Gestaltung, eben nun hierauf bestimmter undstetig künstlicher durchgebildet ward. Auch wurden, nachdem Andreas Werckmeister zu Ende des Jahrhunderts diegleichschwebende Tem-peratur gefunden hatte und mittheilte, die Register an sich vermehrt,zunächst durch eine vox humana u und einevox anglica, und überdies