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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
Blech- und Kesselschmieden zufiel. In Frankreich hatten letztere sogardas Eigenrecht itirer Herstellung, und kündigten ihren Verkauf auf derStrasse durch sie selber an.—Der „Hautbois “ in seiner verschiedent-lichen Durchbildung bewahrte seine Geltung unter nur geringem Wechselbis weit über den Schluss des Jahrhunderts. Eben zu dieser Zeit in-dessen begann sich innerhalb seiner Familie eine nachhaltigere Wandlungvorzubereiten. Es ging dies von Nürnberg durch den InstrumentenmacherChristian Denner (1655—1707) aus, welcher in dem Bemühen um Ver-besserung der deutschen „Schalmei“ im Jahre 1690 die Grundform derheutigen „Clarinette “ erfand, die denn alsbald, nach mehrer Vervoll-kommnung, zu einem Hauptinstrumente erwuchs. So auch dauerten biszu jenem Zeitpunkt die „Krumbhörner“’ mit kaum merklichen Ab-sehwankungen fort. Solche wenigstens beschränkten sich fast lediglich,ausser auf einen Wechsel in Länge und Biegung, auf eine gelegentlicheVermehrung der Tastlöcher von sechs auf acht oder neun, und auf einezweckmässigere Gestaltung des Mundstücks. Auch sie nahmen in dervon Ludwig XIV. unterhaltenen Musikbande („ grande ecurie du roi“)dauernd eine Stelle ein. — Die „cornemusa“ kam als „saccomusa“ oder„Sackpfeife,“ mindestens einerseits, wiederum mehr zu Ehren. Inihrer anfänglichen, einfachen Gestaltung allerdings, verblieb sie denBettlern und sonstigen wandernden Musikanten (S. 911). Dagegen wardsie zum Theil in verkleinerter Form als „Musette“ vornämlich in Frank reich zu einem zierlichen Instrumente umgeschaffen, das sich nun auchin den höchsten Kreisen allgemeine Anerkennung erwarb. In zumeistreicher Ausstattung ihres (Blas-) Balges durch einen Ueberzug vonSammt, Atlas mit Goldstickerei, Franzen u. dergl. spielte sie fortan ins-besondere auf den ländlichen Festen, welche Ludwig XIV . und die Vornehmenüberhaupt zu veranstalten pflegten, neben Flöten, Schalmeien, Flagcoletsund Hautbois, die Hauptrolle. Nicht minder ward sie bei ähnlichenVorkommnissen als Zimmer-Instrument verwendet. Doch währte diesnur bis gegen Ende des Jahrhunderts, von da an sie unter wechselndenBenennungen fast ausschliesslich zur Begleitung von Spielen und Tänzenim Freien diente. — Hinsichtlich der Blechinstrumente, dermancherlei Arten von geraden und gebogenen Trompeten („Zinken“),Posaunen und „kleinen“ Trompeten liess man es sich wohl bis aufwenige kaum auffällige Neuerungen an der bisherigen Durchbildung ge-nügen (S. 911). Sie sämmtlich zählten wie vor wesentlich mit zurMilitärmusik. So in Frankreich unter Ludwig XIV. hauptsächlich^nächst der Zinke („ comet ä bouquin “), welche vorzugsweise aber auchsonst in Geltung blieb, die „kleine“ Trompete und das halbmond-förmige „Signal- oder Flügelhorn.“ Als namentlich berühmt in Ver-fertigung von Blasinstrumenten galt Wolff Vogel in Nürnberg (gest. 1650)-