B. Geräth. Spielger. Tonwerkzeuge: Schlag- u. Saiteninstr. (1600—1700). 1149
Auch mit den Schlaginstrumenten verhielt es sich ganz demähnlich. Wie verschieden die Trommeln, Tambourins , Hand-becken, Glocken, Schellen, Triangel und Klapphölzer, jenach dem Zweck, an Umfang waren, boten sie sich insgesammt bei ihrerseit länger gewonnenen Ausgestaltung kaum noch zu weiteren ersicht-lichen Verbesserungen dar. Gleich den Blechinstrumenten behauptetenauch sie sich vor allem in der soldatischen Musik, nur dass die Hand-b ecken („Cinellen, piatti“) bis auf Ludwig XIV. davon ausgeschlossenwaren, und wie dieser Musik nun durch ihn, ihr auch dann erst allge-meiner zuertheilt wurden. Während sich der Gebrauch der Klapp-hölzer, wie der der „ C a stagnet teil “ von vornherein, fast lediglichauf die östlichen und südlicheren Völker (Italier, Spanier und Süd-franzosen) beschränkte, verlor sich der des „Tambourins “ bis gegenEnde des Jahrhunderts zunächst in Deutschland , dann auch in Frank reich u. s. f, nahezu gänzlich, sich hiernach gleichfalls fast einzig imSüden als volksthümlich forterhaltend.
Die Saiteninstrumente erfreuten sich um so mehr einer stetigfortschreitenden Durchbildung zu immer festerer und klarerer Klangver-edlung. Es betraf dies vor allem den „Violon “ in allen seinen Formen,so wie auch, wenngleich eben nicht durchweg in demselben Maasse, dieGlieder der übrigen Familien. In Folge dessen begann sich neben demViolon als „Contrabass “ ( v viola da gamba “ u. a.) und „Violon- cell, " die „Gige“ („ gigue “) oder Geige zu der ihr im heutigen Sinneeigenen Bedeutung als „erste“ und „zweite“ Geige, als „viola di braccio “oder „Bratsche“ u. s. w. zu entfalten. Selbst die „vielle a roue “ oder„Drehleier,“ obschon in ihrer seitherigen Beschaffenheit, nun jedochbisweilen in Verbindung mit kleinen beweglichen Figuren, als ein Instrumentder Bettler fortdauernd, trat in der neuen Form eines „ clavicimbalum “ aber-mals hervor. Den Anstoss dazu gab der Musiker Hans Hayden der Aeltere inNürnberg durch ein von ihm im Jahre 1610 erfundenes „Geigen werk,“bei welchem die Saiten durch sechs mit schmalen Pergamentstreifen besetztenRädern gerührt wurden, also dass diese gewissermassen den Streichbogenvertraten, welches Werk in Deutschland rasch Verbreitung fand, und fol-gends, namentlich seit 1700 in Paris , zunehmend verbessert ward. — Mitder Vervollkommnung des „Claviers,“ wie solches begonnen hatte sichaus dem „Hackbrette“ („ dnibal “) allerdings höchst roh zu gestalten(S. 913), ging es nur äusserst langsam. Noch bis gegen Ende des Jahr-hunderts blieb es im Wesentlichen ein von einem Kasten umschlossenesvielbesaitetes „ clavicin ,“ dessen Saiten stumpfspitzige Federkiele oderhammerförmige Klöpfel bewegten. Zu der Ausbildung zum eigentlichen»piano-forte “ durch Anwendung von kleinen Stiften, welche vermittelstdes Drucks von Tasten gegen die Saiten anschlugen, sollte es, zuvörderst