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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

auf Veranlassung einer Erfindung Gottfried Schröders im Jahre 1717,erst seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts gelangen. Dagegenfand das Hackbrett als solches überall, seiner Form wegen inDeutschland alsFlügel, in den Niederlanden als Vloegel und inFrankreich alsalle, weitere Aufnahme. Neben der Laute,Guitarre und Zither (citole), welche sich je in ihrer Eigenschaftals Lieblingsinstrument des einen und andern Standes ziemlich gleich-artig forterhielten (S. 913), war es schliesslich die Harfe, worauf sichallmälig wiederum die Aufmerksamkeit der Instrumentenmacher richtete.Sie ward in der Form eines spitzwinkligen Dreiecks zu der später soge-nanntenDavids-Harfe bedeutend vergrössert, ihre Besaitung verviel-fältigt, auch zu einem Doppelbezuge erweitert, und ihre Kesonanz(corpus') mit einigen Schalllöchern versehen, ausserdem ihre Stiftung(baron ) und Wirbel verbessert. Hierdurch von dem ihr drohendenVerfall nicht nur bewahrt, vielmehr sich nun selbst zu einem von denhöheren und gebildeteren Klassen gern gespielten, eigentlichen Salon-Instrument erhebend, führten Versuche zu ihrer weiteren Vervollkomm-nung, wie zur Hervorbringung von halben Tönen, im Jahre 1660 zuerstin Tyrol auf die Herstellung des Trittbretts oder pedals Freilichwollte dies nicht so bald glücken. Indessen gelang es, wenngleich erstgegen 1700, dem Lauten- und Harfenbauer Hochhrucker zu Donauwörth diesen Zweck in einem Grade zu erreichen, dass es verhältnissmässignur noch weniger Schritte zur Erfindung der wirklichenPedal - Harfebedurfte, welche auch dann sein um 1700 geborner Sohn Simon mitnachhaltigem Erfolge that.

Während das Ja'gdgeräth 1 sich auf die Verwendung von Hand-feuergeschossen stetig enger zusammenzog, gingen an den zur Beförderungvon Personen und Sachen dienenden Fuhrwerken oder Wägen fernereVerbesserungen nur sehr langsam vor sich. Selbst bei den Personen-wagen, denKutschen, beschränkten sie sich noch nahe bis zumSchluss des Jahrhunderts wesentlich auf eine nur weitere Verbreitungdes Riemengehänges und eine einigermassen bequemere Einrichtung derSitze, ohne aber etwa auch schon den Kutsehkasten als solchen merk-licher zu berühren (vergl.'S. 915). Im Ganzen verblieb ihre Gestaltungbis tief in die achtziger Jahre die eines vierrädrigen Untergestells mit

1 Vergl. R. Salnove. La Vönerie royale, (les chasses du cerf, du lievre.du ehevreuil, du sanglier, du loup et du renard) Paris 1665. Joh. TäntzerDer Dianen hohe und niedere Jagt Geheimni68. Mit viel. Kupf. Kopenhagen1689. Auch dürfte schon hier noch zu verweisen sein auf: H. W. Döbel.Neu eröffnete Jäger - Practica oder der wohlgeübte und erfahrene Jäger. Mitvielen Kupfern. Leipzig 1746 (spätere Ausgaben dasselbst von 1783, 1803und 18 j8).