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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1151
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B. Geräth. Transportmittel: Fuhrwerke (16001700). 1151

meist- verliältnissmässig sehr hohen Hinterrädern nehst darüber in Riemen,auch wohl in Ketten ruhendem, nur seitwärts offnem Betthimmel; dieRiemen oder Ketten vorn und hinterwärts je -an zwei hochstehendeneisernen Trägern befestigt (Fig. 388). An allerlei Schmuck allerdings,vornämlich bei Prachtwägen, fehlte es auch fortan nicht, wozu nun jeneTräger besonders mit verwerthet wurden, wie sie denn folgends vorzugs-weise, bei mehr schwungvoller Durchbildung, eine oft sehr reiche Ver-kleidung von Ilolzbildnereien in mannigfachster Gestaltung erhielten.Zu dem dauerte die Verwendung von Vergoldung und Malerei, sowienicht minder von kostbarem Leder, reichen Stoffen zum beschlagen derKutschkasten, u. s. w. fort, woneben nun überdies, zur Herstellung von(Thür-) Fenstern, das Glas immer mehr in Aufnahme kam (S. 918).

Dagegen ward es erstziemlich spät, und auchdann noch vorerst nurvereinzelt üblich, denLenker oderKutscher durch Einrichtung eines Kutschbocks seinesReitdienstes zu entheben.

Im Uebrigen schrittdie Verbreitung derKutschen auch fortannoch keineswegs wedersehr rasch, noch überallgleichmässig vor, viel-mehr fand auch jetzt nochhie und da manchenWiderstand sowohl vonOben herab, als auch inder öffentlichen Meinung, so dass es mindestens bis gegen die Mittedes Jahrhunderts wählte, bis dass sich ihr Gebrauch im Allgemeinenfreier entfalten konnte. In Spanien , wo schon Philipp II. da-gegen ankämpfte, verordnete gleich Philipp 111. in verschärftem Grade»dass Keinem eine Kutsche mehr gefertigt werden sollte und kein Mann,^ess Standes er sein möchte, ohne Erlaubniss des Königs in einer Kutschefahren oder in einer Sänfte sich tragen lassen dürfe, und auchdassden Frauen nur dann eigene, doch nur offene Kutschen zu gestattenseien, wenn sie vier Pferde Vorspannen könnten. Auch in Frank-r eich, obschon ihr Gebrauch unter Ludwig XIII. zunahm, und eshier bereits mehrfach «ganz vergoldete Kutschen gab, blieb ihre Zahlhis zu Ende seiner Regierung eine immerhin geringe. Erst seit dem

Fig. 388.

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