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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
Regierungsantritte Ludwigs XIV. , nachdem er (um 1642) seinen Ein.zug in Paris in einem kostbaren „hängenden“ Wagen gehalten hatte,stieg die Menge der Wägen, nun aber auch in rasch wachsendem Maassebis zum Jahre 1660 bereits auf dreihundertzwanzig und mehr. Ausser-dem aber war man daselbst auch schon bald danach, um 1651, zur Ein-richtung von Miethskutschen geschritten, die dann nach ihremStandort, dem „Hotel St. Fiacre“, als „Fiacre “ bezeichnet wurden.Charles Villerme, der Unternehmer, zahlte für das alleinige Recht siezu unterhalten, der Regierung jährlich 15,000 livres. Nicht lange, sokamen daneben auch andere Arten von Lohnkutschen als „ carosses deremise“, und seit dem Jahre 1662 auch noch eigene vierspännige Wägenauf, welche von Paris aus nach Versailles u. a. 0. fuhren. In Eng-land dagegen wurden die Kutschen, wenngleich erst im Jahre 1580durch Fitz-Allen, Grafen von Arundel , von Deutschland aus eingeführt,von vornherein in so rasch steigendem Maasse beliebt, dass sich unge-achtet der wachsenden Zahl von eigenen Wägen bereits um 1625 zahl-reich Miethskutschen einstellten. 1 So auch suchten vor allem hier dievornehmen und begüterten Stände, wie in der äusseren Ausstattung ihrerKutschen, besonders hinsichtlich der Gespanne miteinander zu wetteifern.Als Graf Villers von Buckingham im Jahre 1619 mit einem Gespannvon sechs Pferden auftrat, erschien der Graf von Northumberland ,freilich nicht ohne Absicht jenen lächerlich zu machen, mit einem Vor-spann von acht Pferden. — Anders verhielt es sich in Deutschland )ausgenommen nur wenige Staaten, in welchen der Gebrauch ebenfalls vonvornherein rascher um sich griff. Im Allgemeinen gab dafür, bei allemEinfluss den der französische Vorgang seit Ludwig XIV. auch daraufausübte, der kaiserliche Hof zu Wien den eigentlichen Maassstab ab, woindessen von Oben herab noch bis unter Leopold I. kein allzu grosserWerth weder auf eine beträchtlichere Zahl von Kutschen, noch auf einegerade ausnehmend prunkvolle Ausstattung derselben gelegt ward. Ab-gesehen von Leopolds I. Hochzeitswagen, der freilich mit Ein-schluss des Geschirrs die nicht geringe Summe von 38,000 Gulden kostete,war der Wagen, dessen er sich gewöhnlich bediente, verhältnissmässigeinfach, obwohl mit Glasscheiben versehen, was aber kaum mehr als Auf-wand galt, nur mit rothem Juften und schwarzen Zwecken beschlagen,auch an Festtagen lediglich durch ein mit rothen Franzen besetztesPferdegeschirr, noch sonst aber von den Wagen seines Gefolges einzigdadurch ausgezeichnet, dass während die Zugstränge bei diesen aus ein-fachen Stricken, bei jenem aus Leder bestanden. Mit zu den Höfen,*
1 Vergl. W, B; Adams. The origin, history, varieties, construction etc. ofenglish pleasure camages. Illustr. by numerous designs. London 1837.