B. Geräth. Kriegsgeräth: Geschütze u. s. w. (1600—1650). 1155
So.stellte, mit veranlasst durch die Verbreitung der „Bomben,“ derEngländer Eidred bereits seit 1611 Versuche zur Berechnung ihres Flugesan, die zu ferneren Forschungen darüber führten, während schon im Jahre1602 bei der Belagerung von Ostende sowohl die Anwendung von vielenin Säcken eingenähten Musketenkugeln, die der „Kartätschen,“ alsauch von Leuchtkugeln mit verborgenen Granaten oder „Karbassen“und von grossen Brand- oder Feuerpfeilen begann. Nicht langedanach, so bediente man sich auch, nächst „kalten/ 1 ' vollen und hohlenKugeln, ganzer und halber durch Ketten oder eiserne Stangen verbun-dener „Ketten oder Stangenkugeln.“ Doch schritt deren Verwen-dung bis gegen 1630 nur langsam vor, ohne auch folgends höhereBedeutung zu gewinnen. Zudem kamen seit dem Jahre 1620, als neueKaliber, vierundzwanzig- und zwölf-Pfänder auf; erstere von zehnFuss elf Zoll, letztere von zehn Fuss neun Zoll Länge.
Den nächsten wesentlichen Anstoss zu mehrer Vervollkommnung desGeschützwesens überhaupt, gab erst, gleichwie in so vielen Zweigen derKriegsführung, der dreissigjährige Krieg durch Gustav II. Adolf vonSchweden. Dem Zunftgeiste, der auf diesem Gebiete noch durchweg,zumal in Deutschland herrschte, trat er in nachhaltiger Weise entgegen.Stets nur das Zweckgemässc im Auge, sich von jeder hemmenden Ueber-lieferung befreiend, begründete er sofort eine durchgreifend neue Anord-nung in Aufstellung und Verwevthung sowohl, als auch in Gestaltungdes Einzelnen. Abgesehen von dem ersteren Punkte, dem er vorallem seine fast beständige Ueberlegenheit zu danken hatte, nahm ernicht minder darauf Bedacht die Geschütze durch fernere Verminderungihrer Unförmlichkeit und Schwere für den Felddienst nun thunlichst be-wegbar zu machen. Schon bald nach seinem Regierungsantritte beschaffteer verschiedentliche Kanonen und Mörser, die sich in Länge, MetallstärkeUnd Kalibergrösse, so auch hinsichtlich des Gewichts, von den seitherallgemein üblichen äüsserst vortheilhaft auszeichneten, und ging selbstso weit, dass er dem Gedanken seines Obersten Melchior von Wurm-brand, sehr leichte Kanonen mit Zuhülfenahme von Leder zu fertigen,in dem Kriege gegen Polen (um 1626) thatsächlich Folge gab. Diese»ledernen Kanonen,“ deren er eine ziemliche Anzahl herstellen liess,bestanden aus einer kupfernen Röhre in Stärke eines Viertels des Durch-messers der dafür bestimmten Kugel, umlegt in massigen Zwischen-räumen von nicht zu schmalen eisernen Reifen, das Ganze mit Tauendicht umwickelt, am Bodenstücke bis zur Dicke des Gesammtdurch-messers der Kugel, an der Mündung bis zu dreivierteln desselben, undmit wohlgesottenem starken Leder fest überzogen. Indessen so leichtdiese Kanonen allerdings waren, litten sie an dem Uebelstande dass sieachon nach zehn bis zwölf Schuss bis zur Möglichkeit des Wieder-