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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
gebrauchs sehr lange abkühlen mussten, daher sie keine Verbreitungfanden, und sich auch im schwedischen Heere selber nur bis zum Jahre1631 erhielten. — Anders dagegen die von Gustav Adolf den sonstigenGeschützen zuertheilten Verbesserungen, die bereits um 1625 durch GrafPhilipp von Mansfeld, da er sich aus schwedischen Diensten in denDienst der Spanier in den Niederlanden begab, dem spanischen FeldherrnSpinola sehr willkommen waren. Mit zu den hauptsächlichsten derselben,die jener nach dort überbrachte, gehörte die Einrichtung von Sechs-Pfündern, und bald darauf die von Vier-Pfündern, welche letzteren,meist von Eisen und bei einer Länge von vier Fuss nur 625 Pfundwogen, vielfach, folgends auch in Frankreich als „pieces ä la Suedoise “{schwedische Stäche ), nachgeahmt wurden. Vorzugsweise dazu verwendet,um „Kartätschen“ in Blechbüchsen zu schiessen, bedurfte es zu ihrerBeförderung auch im schwierigsten Falle höchstens zwei Pferde. Kaumminder wichtig aber, wie vornämlich zur Unterhaltung eines Schnell-feuers, war die Erfindung desselben Königs sich, statt der alten Lade-schaufel, der „Kartusche“ zu bedienen. — Inzwischen, um 1630, ge-langten durch den englischen Ingenieur Malthus die Bomben nach Frank reich , indem sie nun durch ihn zuerst die „Bränder oder Zündlichter“erhielten. Auch wurde auf Grund der Versuche Eldreds (bis 1646) überden Flug der Bomben diese Theorie namentlich durch den EngländerAnderson (um 1674) bedeutend erweitert. — Neben dem Allem entfal-tete sich die Verfertigung der Kunstfeuer oder „Ernstfeuerwerkerei“ ^zu nicht unbeträchtlicher Höhe.
Genau um die Mitte des Jahrhunderts, im Jahre 1650, ging vonWarschau eine neue höchst zweckmässige Erfindung, die der „Richt-maschine“ aus, welche, bestehend in einer unter dem Bodenstückangebrachten Schraube, die zum Richten bisher üblichen Unterschiebkeileverdrängte. Ueberhaupt aber wurden die vielseitig gemachten Erfah-rungen von nun an eigentlich erst entschiedener zusammengefasst .undin stetig tieferer wissenschaftlicher Betrachtung auch noch um so fort-schrittsmässiger, erfolgreicher verwerthet. Es war dies vor allem inFrankreich der Fall, wo sich unter Ludwig XIV. , gefördert durch seinebeständigen Kriege, für das gesammte Geschützwesen nun eine abermalsdurchgreifende Wandlung vollzog. Ihr gegenüber musste schliesslich auchdie letzte Spur von bloss zünftiger Behandlung, wie solche immer nochhie und da bestand, für alle Zeiten schwinden. Nächstdem was da-durch auch wiederum in Betreff einer taktischen Ordnung und Gliederung,so wie hinsichtlich der Bedienung dieser Waffengattung an sich, allge-meiner gewonnen ward, waren es dann ebensowohl abermals mancherleiNeuerungen an den Geschützen selber, die von dort ausgingen. Sie be-trafen, neben einer theilweis noch ferneren Verminderung ihrer Unbe-