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Ackergerilthe. Viehzucht.
und ist abgebildet in M. A. G. IX. Taf. X. 2, (s. S. 61). Vielleichtwurden als solche auch die grossen durchbohrten Steinbeilebenützt, wie z. B. das am Kusse des Hohentwiel gefundene ausSerpentin, 33,5 cm lang, 5,5 cm breit 1 ). Auch die andern Acker-geräthe waren noch sehr roh. Man behalf sich oft nur mitGabelungen von Baumästen oder Hirschgeweihen, wiez. B. die Feld hacken von Robenhausen 2 ), ein cylinderförmigesaus Hirschhorn . Sicheln der Steinzeit sind bis jetzt unbekanntgewesen. Es ist aber möglich, dass die Pfahlbauern ähnliche be-nützten, wie die Holzsicheln mit Feuersteinzähnen, welche Flinders Petrie in der Stadt Kahun in Aegypten fand 3 ). Dieselben stammenaus der 12. und 13. Dynastie. Die Feuersteinzähne sind hier inein sichelförmiges Holz mit Einschnitt eingesetzt, wie bei der Sägevon Vinelz 4 ). Bekannt sind dagegen die in der Bronzezeit, z. B. imPfahlbau bei Uhldingen gebrauchten Sicheln von Bronze, und zwarsog. Knopf- und Bronzesicheln, beide mit Holzgriff.
Viehzucht.
Thierarten: Rind. — Schwein. — Ziege. — Schaf. — Pferd. — Hund. — Stillle. —
Futtervorriitlie.
Siehe hierzu Beilage III. Die Thiere der Pfahlbanzeit.
Die Viehzucht, in enger Verbindung mit dem Ackerbau, warnach den Ergebnissen der vergleichenden Sprachforschung gleichfallsschon bei den Urindogermanen bekannt. Dieselben hatten Heer denvon Rindern, Ziegen, Schweinen und Schafen, die vonHunden behütet wurden. Die Zucht dieser Ilausthiere, besondersdes Rinds, war für die Pfahlbauleute von grösstem Nutzen. DerenMilch und Fleisch gaben werthvolle Nahrungsmittel; ersterediente zugleich zur Käsebereitung; Geweih, Knochen u. s. w. ver-wendete man zur Herstellung von vielerlei Geräthen, während dieFelle und Häute unentbehrlich waren für die Bekleidung und fürdie Herstellung von Leder. Manche der Ilausthiere waren neben-bei von grossem Werth als Last- und Zugthiere.
Aus den Untersuchungen Rütimeyers 5 ) ergab sich, dass schonder Urochs oder Ur (Bos primigenius Boj.) und der Wisent
*) Im Museum für Urgeschichte u. Ktlmographie an der Universität Frei burg i. B.
2 ) M. A. G. VI. Tafel II. 16.
3 ) Verh. d. Berliner Ges. f. Anthr. u. s. w. 1891. Seite 476.
4 ) M. A. G. IX. Taf. XVII. 3.
5 ) M. A. G. Bd. XIII. 2. Heft. Untersuchung der Thierreste aus den Pfahl-bauten der Schweiz von I)r. L. Rütimeyer , Professor. S. 25—72.