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Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden / von Robert Durrer
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Ennetbürgen .

Die Gründung der den Bewohnern von Ennetbürgen bequemer gelegenenKapelle S. Anton im Thalgrunde schuf gegen Ende des XVI. JahrhundertsS. Jost eine gefährliche Konkurrenz. Trotzdem wurden im Jahre 1633 dieGebeine des sagenhaften Eremiten in einem steinernen Sarkophage beigesetzt,

und ihre Auffindung den Anlass zur Gründung des Gotteshauses gegeben. «Bezüg allso, das ich vorvier Jaren alls ich dis gottsälig Ort besucht solche Geschieht der Absendung zum heiligen Vatter demBapst und erworbnen Ablaß, deßglichen den nachgenderen Buw der Ernüwerung und Wychung der Cappellin einer Tafflen in der Cappell hangende verzeichnet gesechen, gelesen und die Substantz davon in Ver-zeichnuß genomen, das übrig aber allso uff min Befragen von allten erbaren Lütten deß Orts alls einTradition allso gehört, wyl aber solche min Verzeichnus diser Zyt ouch nit ze finden, mir ouch diegwüsse Jarzal (die doch wenig fälen kan) noch ouch deß Apias und der bestimpten Tagen nit mer yn-denk gewesen, so hab ich daß so vill ich noch in gedächtnuß bringen mögen, allso in Verzeichnuß geben,jedoch mich in allewäg uff die rechten Gewarsaminen so uffs künfftige wider funden werden möchtenoder andren beßren Bericht der Landtlütten berüffende und mir vorbehallten habe, mir sollichs alles un-vergriffenlich sin solle. Datum Lucern uff Sanct Gallentag A° 1605.» Ein merkwürdiger Beweis, wieauch ein vermeintlich gutes Gedächtnis trügen kann. Der Vorbehalt Cysats nützte nichts.

Auf diese zweite irrige Version seines Berichtes stützt sich P. Heinrich Murer (y 28. II. 1638)in seiner Helvetia Sancta, S. 162, der in weiterer Ausschmückung derselben erzählt: «an dem Orth, daunser Zeit S. Josten Capell sampt einem Bruderhäuslein stehet, wohnete vor alten Zeiten (möchte umbdas 1200 Jahr Christi ungefährlich gewesen sein) ein frommer gottseliger Einsidler oder Waldbruderunder einem Felsen oder Stein; diser Bruder führte viel Jahr ein heyliges und strenges Leben, hieltesich still und eingezogen, mit den Menschen hatte er wenig Gemeinschafft, gienge auch nicht auß seinerEinöde, ausserhalb was die Nohtturfft erforderte und seines Leibs Narung. Endlich name er auch einseifiges End und war neben seiner Hölin begraben». Als man später an jenem Orte öfters ein «schein-bares Liecht glantzen» sah, habe «ein ehrsame Gemein zu Buchs» nachforschen lassen. «Da sie nunbey dem Gemerk des Liechts angefangen zu graben, fanden sie bald in der Erden die Gebein des ver-storbenen Bruders, dessen Har und Bart noch unversehrt an dem Kopffe stunde, darauß man leichtlickschliessen möchte . . . dannenhero dises nächtliche Liecht über seinem Grab erschienen, sein Heiligkeitder Welt kundtbar zu machen.» Man habe die Gebeine in die Pfarrkirchen gen Buochs tragen unddort begraben lassen, « das Haupt aber, weil es noch nicht verwesen, auch das Haar und den Bart nochunversehrt hätte, außerhalb der Erden an einem ehrlichen Orth der Pfarrkirchen behalten. Hiemit nahmendie Landleuth zu Underwalden, sonderlich die von Buchs Ursach umb das Jahr Christi 1342 ein Capellenüber sein Grab und Wohnung in S. Josten . . . Ehr auffzubawen und weyhen zu lassen und deß gott-seligen Waldbruders Haupt und Gebein wider darein zutragen etc.» Eine Randglosse setzt den ToddesBruders auf den 13. Dezember, doch ist dies der Tag des h. Jost (Jodocus). Murer beruft sich in derHelvetia sancta auf seine ausführlichere Behandlung des Gegenstandes im Theatrum Ecclesiasticum. Die-selbe umfasste handschriftlich 12 Seiten und trug, wie aus dem Verzeichnisse Hohenbaums van der Meerzu ersehen, den Titel: « Summarischer Bericht von dem Ursprung und Erbauung der löbl. Kapelle S. Jostauf dem Bürgenberg in dem Land Underwalden , Buochserpfarrei». Das Manuskript ist aber verlorengegangen (vgl. P . Gabriel Meier Gfd. LV, S. 34 und briefl. Mitt. desselben).

Übereinstimmend, doch kürzer als Murer, behandelt Joh. Leopold Cysat die Geschichte in seiner1645 geschriebenen und 1661 edirten Beschreibung des Vierwaldstättersees, indem er das Todesdatumdes Einsiedlers ebenfalls auf ca. 1200, die Erbauung der Kapelle dagegen ins Jahr 1311 setzt. AufMurer beruft sich das 1784 erneuerte S. Jostbuch (vgl. oben S. 240, Anm.). J. L. Cysat aber warddie direkte Quelle der Darstellungen bei Businger & Zeiger I, 89, Businger Gesch. I, 66 und AL Ba-singer Unterwalden in den hist, geogr. Statist. Gemälden der Schweiz (1836). Kaplan A . Odermattglaubte endlich die unbestimmte Gestalt des Einsiedlers in jenem Bruder Walther Zuber entdeckt zuhaben, der im Jahre 1301 eine Gadenstatt, genannt Bennental, am Bürgen kaufte und zu seiner Jahr-zeitstiftung dem Kloster Engelberg überliess. (Handschriftl. Gesch. von Ennetbürgen im dortigen Pfarr-archiv, darnach bei J. M. Käslin Gesch. der Pfarrei und des Kirchenbaues zu S. Anton in Ennetbürgen (Altdorf 1901) S. 49. Vgl. auch die Urk. Gfd. LI, S. 142.)