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Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden / von Robert Durrer
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Ennetmoos .

auf dem Niveau des Chorbodens. Der kleinere, viereckig abgeschlossene, 6,82 cm.lange und 6,6o m. breite Chor ist mit einem gedrückten Steingewölbe be-deckt, dessen sechs gefaste Rippen in einem glatten Schlussstein enden, aufdem in Gold der Landesschlüssel und die Jahrzahl 1600 aufgemalt sind. Ander Rückwand zu beiden Seiten des Hochaltars stehen, auf gleichzeitigenKonsolen aus Stuck, geschnitzte Barockfiguren des Apostels Jakob d. Ä. unddes h. Gallus. Die beiden nach aussen rundbogigen Chorfenster lassen innenden alten spitzbogigen Steinrahmen aus dem Mörtel hervortreten; es zeigensich aber daran keinerlei Masswerkansätze. Der Chorboden hat entsprechendder Höhe des Chorgewölbes eine hässliche Korbbogenform. Südlich an denChor schliesst sich die Sakristei von 4,70 m. äusseren Länge und 4,35 m.Breite. An ihrer westlichen Aussenwand befindet sich eine kleine, stichbogigeNische, die hinter einem hübschen Gitter aus wellenförmigen, durch Spangenverbundenen Eisenstäben einige morsche, menschliche Knochen birgt. Die-selben sollen den ursprünglichen pfarrlichen Charakter des Gotteshauses adoculos demonstriren und rühren von einem wohl zweifellos heidnisch-ale-mannischen Begräbnisplatz her, von dem man im Jahre 1835, in nächsterNähe der Kapelle, weitere Einzelgräber aufdeckte.

Von dem ganzen heutigen Baubestand reicht offenbar nichts über dieWende des XVI./XVII. Jahrhunderts zurück, und die Jahrzahl 1600 am Chor-gewölbe muss auf einen völligen Neubau bezogen werden. Die ganze Innen-ausstattung trägt den Charakter der Erneuerungsperiode im Anfang desXIX. Jahrhunderts.

Als man in der Mitte des XIX. Jahrhunderts den Hochaltar reparirte,fand man in der Mensa, doch nicht in dem Sepulchrum, in einer miteinem Schieferplättchen bedeckten und mit Mörtel verschlossenen Höhlungein altes Reliquienkästchen , ein thönernes Reliquiengefäss und eine Bursa ,sämtlich leer. Diese wohl von der Weihe des XIV. Jahrhunderts herrüh-renden Gegenstände befinden sich jetzt im historischen Museum in Stans(Fig. 120). Das Kästchen besteht aus einem ausgehöhlten Stück Lindenholz,ist 9 cm. lang, 8 cm. breit, 3,5 cm. hoch und hat 1,3 cm. dicke Wände; derebenfalls massive, vierseitig abgewalmte Deckel ist 3 cm. hoch und war inScharnieren beweglich, die aber wie alle übrigen Eisenteile vom Rost völligzerfressen sind. Der Schmuck der Hauptseiten und der Deckplatte bestehtaus ä jour gearbeitetem, in die vertieften Felder eingelassenen Schnitzwerk.Oben ein Löwe, an den Schrägseiten des Deckels rautenförmiges Gitterwerk,an den Fronten Drachenfiguren, von denen die vordere, die mit ihremSchweif den Schlüsselschild umfieng, bei einem unberufenen Restaurations-versuch neulich grösstenteils zerstört und ihr Rest verkehrt aufgeleimt worden v j.

1 j Ich konnte für obstehende Abbildung eine im Jahre 1888 gefertigte Aufnahme des Hrn, Dr.E. A. Stückelberg verwerten, wonach ich den vormaligen Zustand ergänzt habe.