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Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden / von Robert Durrer
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263
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Flüeli-Ranft.

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Friedhof weihen, angeblich in der Absicht, hierselbst seine Begräbnisstätte zuwählen 1 2 ). 1768 erhielt die Kapelle einen zweiten Altar. 1883 ward das Schiffverlängert und das Innere renovirt. Die Kosten betrugen Fr. 7881..

Die Flüeli-Kapelle ist eine der interessantesten Kapellenbauten derZentralschweiz . Das Äussere des Gotteshauses entbehrt zwar mit seinempolygonen Sakristeianbau, derden polygonen Chor schneidet,nicht der Originalität, lässt aberden künstlerischen Reichtum desInnern so wenig vermuten, dassdie Reiseschriftsteller sich stetsmit dem unvergleichlichen Rund-blick von der Plattform begnüg-ten und die Kapelle nicht einmalbetreten zu haben scheinen.

Den eigenartigen Schmuckder Kapelle bilden das reichein-gelegte Chorgetäfer und die inIntarsienmanier gemalten Walm-decken in Chor und Schiff.

Die Einlegearbeit ist beson-ders hervorragend an der vondoppelter Säulenstellung flankir-ten und mit einem Dreickgiebelbekrönten Sakristeitür; sie zeigteinen Reichtum und eine Fülleder Motive, die man beinahe alsetwas bäuerisch bezeichnen muss.

In den Feldern Blumenvasenmit Vögeln, nackte, nimbus-ge-schmückte Putten mit Krone undReichsapfel, in den Friesen und

auf den plastischen Pilastern lineare mit Blattwerk gemischte Motive und alsUmrahmung mit Kreuzen und Quasten verzierte Perlschnüre. Neben den natür-lichen Holztönen kommt darin noch ein warmes Oliven grün zur Verwendung(Fig. 125, 126). Das Brustgetäfer unter dem Fenster zeigt in Rundbogenblendenplastische Pfeilerstellungen mit gebrochenen Giebeln, alles mit überreichemIntarsienschmuck bedeckt, im obern Fries eine Jagd mit Hunden, Einhorn,

1m

Fig. 125. Blick in den Chor der Flüeli-Kapelle.

1 ) Gem.-A. Sächseln. Vgl. Küchler , Gfd. LIII, 265.

2 ) 1 . c. Urkunde vom 30. August 1768.