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Lust, und Liebe zum Tod, samt der grossen Kunst gottselig zu sterben : das ist: Gründlicher Beweisthum, dass ein rechter Christ den Tod nit förchten, sondern mit Begierd standhafftig erwarten, und mit Freuden empfangen solle samt lehrreicher Unterrichtung, wie man sich zum Tod bereiten, wohl, und glückseelig sterben könne / beschrieben durch A.R.P. Gerald Wieland, Capitularen des Fürstlichen Gottshauss St. Gallen
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z 6 Ersten Theils/ ersten Capitels/

Jugend / welche vermeint/unerträglichzu seyn/ der Sieche! deß Tods in der er-sten Blühe der Jahren zu unterliegen. A-der diese sollen wissen/ und beglaubt seyn/daß der frühzeitige Tod/ der beste Tod /und dahero nicht zu fürchten; dann wasich in vorgehendem Absatz gesagt/ hat son-derbar statt und platz / wann der Todfrühzeitig/ und in den besten Jahren da-her kommt; dann da erzeigt sich die besteGelegenheit abgesagter Massen heldenmü-tig / und verdienstlich sich in den Todzu ergeben.

Wann einer schon eraltet/ abgelebt/ undunvermöglich ist / so hat er ohne daß nichtsmehr zu erwarten/ als den nothwendigenTod/ welchen man oftermalm wegen vie-len/ und schwären Zustanden / und Un-gemachen deß Alters mit Verdruß erwar-ten muß; alsdann ist nicht mehr die Zeit/sein heroisches Gemüth mit einem solchenEifer und Liebe zu erzeigen / indeme dasLeben damalen nicht mehr so werth ist /und selbiges zuverlaffen kein so grosse Tap-ferkeit erforderet.

Wann aber der Tod in der besten Blü-he/ und Zeit des Lebens herzunahet/ da

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