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Lust, und Liebe zum Tod, samt der grossen Kunst gottselig zu sterben : das ist: Gründlicher Beweisthum, dass ein rechter Christ den Tod nit förchten, sondern mit Begierd standhafftig erwarten, und mit Freuden empfangen solle samt lehrreicher Unterrichtung, wie man sich zum Tod bereiten, wohl, und glückseelig sterben könne / beschrieben durch A.R.P. Gerald Wieland, Capitularen des Fürstlichen Gottshauss St. Gallen
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4§ Ersten Theils/ ersten Capitels/

ziehen/und mit Verlangen erwarten müßte/bis man ihne zu seinem Reich beruften wur-de : Wank auch endlich ein Gesandter vomgantzen Land anlangte / ihne zu dem könig-.lichen Thron zu beruften; er aber darab er-schrickt«/ den Bothen fliehen / fürchten /und lieber noch langer im Elend verblei-ben wölke/ könnte man solches billich fürein grosse Thorrheit halten.

Viel ein grössere Blind-und Thorrheitist es / wann ein Erb - Printz deß himmli-schen Königreichs lieber in dieser Welt le-ben/ als sterben/ und das ihme zustän-dige Rech der ewigen Seeltgkeit anneh-men will.

Nicht also / ein wahrer Christ! deme dasHeil. Vatter unser zu betten ernst ist :Dann dieser begehrt täglich mit dem Heil.Apostel / aufgelöst zu werden/ und mitChristo in seinem Reich zu seyn ; darumsobald der Tod / als ein Bottschaffter Got-tes anklopftet/ ihne zu dem erwünschtenReich einzuhollen/ ist er voller Freuden /

und gehet mit höchstem Frolocken einin die Freud seines HErrens.