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Vierdeer Ab/atz.
du lebst/ so lang sündigest du/ und dißtäglich: Und wann du schon weiß nicht wie-vielGutes thätest / so seynd doch allezeit dei-ner Sünden vielmehr/und überwögen sel-bige weit alle deine gute Wcrck/ und Tu-genden; ja wann du dich selbsten recht er-kennest/ so bist du ein lautere Schwachheit/Unvollkommcnheit / und Sünd: Es wimß-let in dir alles vor viele der Sünden.
Und was wurde es dir nutzen / wann duschon die gantze Welt gewinnen/ und aberan deiner SeclSchaden leide sottest? Wanndu auch wurdest viel Allmosen geben/ dieHungerigen speiscn/dir Durstigen träncken:Wittwen und Waisen beschützen; Lagund Nacht viel dem Gebett obliegen; demgantzes Hauß zur Heiligkeit ermähnen:Und aber inzwischen ein einzige Tod-Sündthäktest? so wurde es ja freylich hundert-mal besser seyn/ wann du jetzt des gähenTods stürbest / als wann du alle guteWerck allein übtest.
Wer will nun jetzt dich versicheren / daßdu dein Lrbenlang/ jo solches lang währenwurde / kein schwäre Sünd begehen wer-dest? Wann man soviel Anreitzungen An-fechtungen/ Gelegenheiten/ Gefahren/
und