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Lust, und Liebe zum Tod, samt der grossen Kunst gottselig zu sterben : das ist: Gründlicher Beweisthum, dass ein rechter Christ den Tod nit förchten, sondern mit Begierd standhafftig erwarten, und mit Freuden empfangen solle samt lehrreicher Unterrichtung, wie man sich zum Tod bereiten, wohl, und glückseelig sterben könne / beschrieben durch A.R.P. Gerald Wieland, Capitularen des Fürstlichen Gottshauss St. Gallen
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Vierdeer Ab/atz.

du lebst/ so lang sündigest du/ und dißtäglich: Und wann du schon weiß nicht wie-vielGutes thätest / so seynd doch allezeit dei-ner Sünden vielmehr/und überwögen sel-bige weit alle deine gute Wcrck/ und Tu-genden; ja wann du dich selbsten recht er-kennest/ so bist du ein lautere Schwachheit/Unvollkommcnheit / und Sünd: Es wimß-let in dir alles vor viele der Sünden.

Und was wurde es dir nutzen / wann duschon die gantze Welt gewinnen/ und aberan deiner SeclSchaden leide sottest? Wanndu auch wurdest viel Allmosen geben/ dieHungerigen speiscn/dir Durstigen träncken:Wittwen und Waisen beschützen; Lagund Nacht viel dem Gebett obliegen; demgantzes Hauß zur Heiligkeit ermähnen:Und aber inzwischen ein einzige Tod-Sündthäktest? so wurde es ja freylich hundert-mal besser seyn/ wann du jetzt des gähenTods stürbest / als wann du alle guteWerck allein übtest.

Wer will nun jetzt dich versicheren / daßdu dein Lrbenlang/ jo solches lang währenwurde / kein schwäre Sünd begehen wer-dest? Wann man soviel Anreitzungen An-fechtungen/ Gelegenheiten/ Gefahren/

und