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Lust, und Liebe zum Tod, samt der grossen Kunst gottselig zu sterben : das ist: Gründlicher Beweisthum, dass ein rechter Christ den Tod nit förchten, sondern mit Begierd standhafftig erwarten, und mit Freuden empfangen solle samt lehrreicher Unterrichtung, wie man sich zum Tod bereiten, wohl, und glückseelig sterben könne / beschrieben durch A.R.P. Gerald Wieland, Capitularen des Fürstlichen Gottshauss St. Gallen
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116 Ersten Theils / dritten Capitels /

(da er sonst gantz begierig zum Sterben ge-wesen) zu erzeigen / daß er ein rechter wah-rer Mensch seye/ und daß er auch natür-licher Weis den Tod / und so viel Peyn undMarter/ die er unschuldig leydcn solte / ^

fürchte/ und ein Grausen darab habe: Erhat sich aber gleich zum Gebett erhebt / unddem Willen seines himmlischen Vattersvöllig übergeben / darum er gleich vom En-gel gestarcket worden / und hat fortan keineinige Forcht mehr erzeiget: Dieses allesist geschehen/ uns zu einem Exempel/mitwelchem er uns lehren wollen / daß wirfreylich Schwach seyen/ und einen natür-lichen Grausen ab dem Tod haben; wirsollen aber uns alsobald zum Gebett bege-ben/ die göttliche Hüljf / und Beystandanrüsten/ und uns dem Willen GOttesganylichen überlassen/ so werden wir gleichim Geist gestarcket werden / den Tod nichtmehr förchten/ sondern tapfer/ und Christ-müthig überstehen. 1

Daß etwelche Heilige den Tod gefürch-tet / und im ersten Ansehen sich ab demsel-ben entsetzet/ ist geschehen/ theils wegennatürlicher Schwachheit / und Grausen/theils wegen ihre vorhcro begangenen Sün-den/