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Lust, und Liebe zum Tod, samt der grossen Kunst gottselig zu sterben : das ist: Gründlicher Beweisthum, dass ein rechter Christ den Tod nit förchten, sondern mit Begierd standhafftig erwarten, und mit Freuden empfangen solle samt lehrreicher Unterrichtung, wie man sich zum Tod bereiten, wohl, und glückseelig sterben könne / beschrieben durch A.R.P. Gerald Wieland, Capitularen des Fürstlichen Gottshauss St. Gallen
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186 Änderten Theils / ersten Capitels /

dest/ so oft du ein vollkommene Liebe Got-tes über alles von Hertzen erweckest; da-rum kanst du dein Heyl leichtlich in Si-cherheit seyen. Du möchtest aber sagen ;Wann ich gewiß wüßte/ daß ich gerecht /und in keiner Todsünd wäre/ so wurde ichfreylich wohl gerüstet seyn/ und den Todnicht fürchten. .

Antwort: Wann du ein vollkommeneLiebe übest/ so bist du gewiß gerecht/undin keiner Todsünd; ist ein Glaubens-Ar-ticul: Zum anderen ist zu deiner Versiche-rung kein besseres Mittel/ als dievollkorn-mene Reu und Leyd/ welche du öfters/sonderbahr alle Abend / ehe du schlaffen ge-hest/ erwecken sollest. Wer ein solche Reuund Leyd hat/ der ist gerecht/ und sterbeer wie/ wo/ und wann er wolle/ so ister gewiß seelig.

Durch diese Reu und Leyd kann einChristliche Secl ein menschliche/ und sittli-che Gewißheit haben / daß sie gerecht seye.

Dahero sagt Andreas Vega: Es könneein Mensch Kraft dieser Reu und Leyd oh-ne allen Anstand/und Zweifel glauben / erhabe Gnad/ und Verzeyhung der Sün-den gefunden.

Bcl-