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Lust, und Liebe zum Tod, samt der grossen Kunst gottselig zu sterben : das ist: Gründlicher Beweisthum, dass ein rechter Christ den Tod nit förchten, sondern mit Begierd standhafftig erwarten, und mit Freuden empfangen solle samt lehrreicher Unterrichtung, wie man sich zum Tod bereiten, wohl, und glückseelig sterben könne / beschrieben durch A.R.P. Gerald Wieland, Capitularen des Fürstlichen Gottshauss St. Gallen
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158 Änderten Theils/ ersten Capitels/

Du sollest auch wegm deinen Drängten /und täglichen Fahleren nicht klcmmütbigwerden/ sondern selbe dir also zu Nutzenmachen/ daß du deine Schwachheit erken-nest/ dich vor GOtt schämest/ demüthi-gest / und danckest / daß er dich nicht inschwerere Laster hat fallen lassen.

Die Eltercn übertragen viel Fähler anihrem Kind / und werssen es nit gleich zudem Fenster hinauß; sie geben ihme wohldie Ruthen mithin/ und lieben es wiederfort/ wie zuvor/ in Bedencken/ daß esein ungeschicktes schwaches Kind seye/sicverstoßen es darum nicht / so lang sie in dem-selben ein kindliche Affection / und Liebeverführen; wann aber das Kind nichtsmehr darnach fragte / wann es schon fühl-te/ und die Elteren verzörncte/ und alsokeine Zuneigung / oder Liebe mehr erzeigte/wurde es bald ausgedienet haben.

Eben also überstehet unser himmlischeVatter die tägliche Fähler seiner Kinder /weüen er wohl weißt / wie so schwach/ undgebrächlich selbige seynd: Er züchtiget sieöfters mit der Ruthen der Trübseligkei-ten ; er verflösset darum selbige nicht/ so langsie noch ein kindliche Zuneigung/ und Lie-