CODEX 988.
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Von der Hand des Schreibers dieser Hs. Mathias Bür er vonLindau besitzt die Stiftsbibliothek 24 Bände, durchgehends theo-logischen Inhalts, meist Kopien von Schriften des XIV. und XV.Jahrh. Er bemerkt öfter, wer ihm die Originale geliehen hatz. B. Abt Georg von der Cistertienserabtei Stams (bei Telfs imInnthal) oder Johann praepos. ap. S. Crucem in Augsburg. DieseVorlagen waren keine Incunabeln, sondern Handschriften, wie ausdem Datum der Kopien erhellt. Bürer muss a° 1427 geborensein, denn er datirt den Cod. 950 (geschrieben a° 1445 ‘in S. Gallocommorantem’) ‘aetatis 18’; den Cod. 335 (v. J. 1446) ‘nativit.meae 19’ und Cod. 714 (v. J. 1454) ‘aetatis 28.’ Als Cappellanus,Provisor, Priinissarius schrieb er Cod. 811 und 714 a° 1448 und49 ‘in Silz circa Stams’; Cod. 950 p. 235 (ein Tagebuch) in ‘Rietzanno jubilei’ (1450) und No. 1059 ‘in Rietz prope Stams in yntal'(a° 1452); No. 714 theilweise a° 1453 in ‘Kenzingen in d. Brisgoecirca Friburgum’; No. 811 a° 1453 ‘in Nassenburg’; No. 799 in‘Eztal 1456’ (Oezthal s. ö. von Jmst); die NN. 803, 325, 797,796, 714, 988, 814 und 798 in den Jahren 1458 —1465 in Um-husen im Oezthal; No. 814 und 988 in Augsburg und in Ravens-burg a" 1465—68; No. 988 (theilweise) a° 1468 — 69 in Mindel-hcin; No. 288 a° 1472 ‘in Spetingen ante muros Lantsperg’;No. 953 und 784 (theilweise) a° 1473 in Lantsperg, während derAnwesenheit K. Friedrichs mit seinem Sohn und dem Sohn destürkischen Kaisers in Augsburg; endlich die NN. 142, 203 und333 in den Jahren 1473—79 zu Memmingen. Hier starb er um1485 am 26. März: ‘VII. Kal. April (obiit) Mathias de Memmingenqui bibliothecam suam S. Gallo legavit. ’ (Necrol. in Cod. 1442).Im J. 1470 hatte er in S. Gallen ‘ain pfruond und liptinge umbhundert Pfund Pf. S. Galler W.’ gekauft, wofür er dem Stift seineBücher Uberliess, laut Urk. im Archivband 110 f. 149 im Stifts-archiv (besiegelt von ‘Hector von Watt Altburgermaister zuo santgallen’), welche auch das Verzeichniss seiner Bibliothek enthält;ein anderes inkompletes steht im Cod. 1399 der Stiftsbibi. Bürerdurfte die Bücher bis an sein Ende ‘in und ussert dem gotzhusbrachen, doch mit gedingt, dieselben in guotten Eren und unzer-gencklich halten’ etc. Nach seinem Tod begab sich Dr. Job.Bischof als st. gall. Bevollmächtigter nach Memmingen, um hierwegen des Nachlasses mit Bgm. und Rath Abrede zu treffen; dieVerzichtsurkunde der Erben auf die Bücher v. J. 1485 (‘als derersam priester her Mathis Bürer Kaplan zu Memmingen selig mit