Beiträge zur Kenntnis des modernen Volksschulwesens von Frankreich.
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Pflichten des Menschen gegen Familie, Vaterland und Menschheit (1 Fr40 Ct.). 5- Teil. Ästhetik (ltducation du goüt) vom 13.—18. Jahr: Ent-
faltung des Geschmackes mittelst der Litteratur (Studium und kritischeAnalyse der prosaischen und poetischen Werke) und der Kunst (Analyse)der Meisterwerke der Musik, Architektur, Bildhauer-Kunst und Malerei(illustr. 1 Fr. 40 Ct.).
Um einen Blick ins Innere zu werfen, wähle ich den 207 kleineOktavseiten starken 4. Teil. Da findet man vor allem „aux parents et auxmaitres“ eine Einleitung über Zweck, Methode, Einteilung und Anwendungder Übungen. Die Lesestücke sind entweder gleich oder erst nach demOriginaltext im Anhang in Fragen und Antworten aufgearbeitet, ent-halten zum Schlufs eine allgemeine moralische Nutzanwendung und einean »Eltern und Lehrer« gerichtete pädagogisch-didaktische Unterweisung.Einige Beispiele werden dies besser veranschaulichen. Gleich das ersteLesestück »Der gute Schüler« geht also an:
Lehrer.
Moralische Analyse.
Was ist ein guter Schüler?
Welche sind seine besonderenEigenschaften?
Woran erkennt man ihn?
Was thut ein guter Schüler?
Schüler.
Ein guter Schüler ist ein solchesKind, das seinen Lehrer befriedigt.
Er verdient diesen Titel durchseine Gelehrigkeit, seinen Fleifsund seine Fortschritte.
Schlufsfolgerung.
u. s. f.
Ich will ein guter Schüler seinund bleiben, d. h. den Lehrer an-hören, meine Aufgaben lernen undmich meinen Pflichten widmen, ummeine Eltern glücklich zu machen.
An die Eltern und Lehrer. — Diese moralische Analyse (dieÜberschrift gehört richtiger nach rechts!) wird vom Schüler lautvorgelesen und seitens des Lehrers durch alle möglichen Erklärungenerläutert, indem das Fragen begünstigt und ermutigt wird. DurchFragen überzeugt sich der Lehrer, ob die Lektion gut verstandenwurde. Hieran reihen sich allerlei Übungen: Urteile, Vergleiche,Schlüsse; z. B. 1. Der faule Schüler, 2. Vergleichung des guten undschlechten Schülers, 3. Tag eines guten Schülers, 4. Portrait einesschlechten Schülers — alles mündlich und schriftlich.
Wie die französische Litteratur im allgemeinen, so ist auchdie der Jugendschriften sehr entwickelt. Eine Legionmännlicher und weiblicher Autoren, zum Teil von europäischemRufe, widmen sich der Bearbeitung dieses Feldes, während derErfolg durch die mit dem Massenabsatz bedingte Wohlfeilheitund nette Ausstattung gesichert ist. Die Qualität ist gut, nur