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Schulreden nebst einer Abhandlung über Schulfeierlichkeiten als Einleitung / von Carl Friedr. Wilh. Clemen
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12
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Wird aber dadurch nicht wenigstens der Ehrgeiz oder dieEhrsucht genährt und befördert? Insofern sie Fehler sind, ge-wiß nicht, wenn's die Lehrer nicht verkehrt machen; wohl aberdas Ehrgefühl! Und wer möchte das wohl tadeln? Giebt esdenn nicht auch ein edles Ehrgefühl? Nicht einen Geiz, Ehrezu suchen im Guten? Und ist es eine andere Ehre, welcheSchüler suchen, wenn sie nach einem günstigen Urtheil ih-rer Lehrer trachten, das durch die Öffentlichkeit nur mehr Be-deutung und Gewicht erhält? Was hilft überhaupt all' dasSchulmeistern und Eifern, daß man das Gute blos um desGuten willen thun solle; man frage nur sich selbst, man achteauf die innere Geschichte der edelsten Männer, ob nicht auchbei ihnen und uns das Ehrgefühl und wenn man will selbstEhrgeiz eine der nicht zu verwerfenden Triebfedern des Han-delns sey. Ach! wenn doch jeder Tagelöhner und Handwerks-mann den Ehrgeiz hätte, durch Ehrlichkeit, Treue, Geschicklich-keit und Fleiß sich auszuzeichnen! jede Hausfrau Morgens undAbends und immer nach der Ehre strebte, durch Ordnung,Reinlichkeit, Sparsamkeit, Freundlichkeit und gute Kindererzie-hung ihr Haus zu einem Muster für Alle zu machen! Es istganz gut, die Liebe zum Guten um des Guten willen oder ausLiebe zu Gott zum Ziel aller Erziehung, zur Krone desmenschlichen Lebensbaumes zu machen. Aber soll man deshalbdie anderen Förderungsmittel des Guten, die Gott selbst inunsere Natur gepflanzt hat, verachten oder gar unterdrücken?Macht man's denn in andern Dingen so? Läßt man dieKinvcr erst frei gehen, und dann an der Hand? Lehrt mansie erst lesen, und dann die Buchstaben? Gerade so aber wäredas Verfahren, wenn die Schule alle Antriebe der Ehre ver-schmähen wollte, während das Leben nur zu voll davon ist,und unsere socialen Verhältnisse Sprossen einer künstlich ge-fügten Ehrenleitcr sind, auf der die Menschen auf- und ab-steigen und auch wohl herunterfallen. Mich dünkt: wenn infrüherer Zeit die philanthropinische Schule den Ehrtrieb derZöglinge für Erziehung und Unterricht zu sehr benutzte unddabei oft in'S Kleinliche und Lächerliche verfiel, so läuft manjetzt in manchen Schulen Gefahr, um jener Übertreibung wil-len auf's andere Ertrcm zu gerathen und des nicht unwichtigenFörderungsmittels der Schulzwccke, das im Ehrtricbe liegt,verlustig zu gehen.