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0 Gott, es war nicht bös gemeint —
Der andre aber geht und klagt.
0 lieb’, so lang du lieben kannst!
0 lieb’, so lang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst.
Dann kniest du nieder an der GruftUnd birgst die Augen trüb und nass,
— Sie sehn den andern nimmermehr —
Ins lange, feuchte Kirchhofgras.
Und sprichst: „0 schau auf mich herab,
Der hier an deinem Grabe weint!
Vergib, dass ich gekränkt dich hab’ —
0 Gott, es war nicht bös gemeint.“
Er aber sieht und hört dich nicht,
Kommt nicht, dass du ihn froh umfängst,
Der Mund, der oft dich küsste, sprichtNie wieder: „Ich vergab dir längst.“
Er tat’s, vergab dir lange schon,
Doch manche heisse Träne fielUm dich und um dein herbes Wort —
Doch still, er ruht, er ist am Ziel.
0 lieb’, so lang du lieben kannst!
0 lieb’, so lang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst.
F. Freiligrath
21. An meine Mutter.
Ich bin’s gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen,Mein Sinn ist auch ein bisschen starr und zähe;Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe,
Ich würde nicht die Augen niederschlagen.
Doch, liebe Mutter, offen will ich’s sagen :
Wie mächtig auch mein stolzer Mut sich blähe,