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8. In Gefahr und grosser NotBringt der Mittelweg den Tod.
9. Lust und Schmerz sind Wandersleute, ziehen allenthalben
ein;
Doch pflegt der Besuch von diesem lang, von jenem kurz
zu sein.
10. Sich selbst bekämpfen ist der allerschwerste Krieg;
Sich selbst besiegen ist der allerschönste Sieg.
11. Fromme Leute klagen sehr, dass die Wahrheit sich verloren.Suche, wer sie suchen will, aber nicht in hohen Ohren.
12. Der werde nicht von dir erlesen,
Wer nie sein eig’ner Freund gewesen.
Wer blos sein eig’ner Freund gewesen,
Der werde nicht von dir erlesen.
13. Wo das Reden doch nicht fruchtet, hat das Schweigen bess’re
Statt;
Besser, dass man nicht geredet, als umsonst geredet hat.
14. Wo die Hand vonnöten ist, schafft man wenig mit der Zunge,Und wohin das Herz gehört, da verrichtet nichts die Lunge.
15. Schlecht ist es mit dem Glauben an Gott bestellt,
Wenn man nicht Treu und Glauben dem Nächsten hält.
Logau.
16. ’ Dann auch gehorch’ ich dem göttlichen Wort, das mich lieben
den Feind heisst,
Wenn ich, was feindlich in ihm, hasse mit göttlichem Zorn.
17. „Wie denn erfahr’ ich, auf dass von mir nur Gutes die Welt
spiicht?
Sprich nur, vortrefflicher Freund, sprich es nur selbst nicht
zu laut.
18. Wer in der Schule sich sammeln gelernt — und lernt’ er
nichts sonst dort —
Hat für das Leben bereits, nicht für die Schule, gelernt.
O. Sutermeister.