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Er drückt die Hand vor die Augen und schweigt einige Momente; dann wendeter sich von dem einen zu dem andern und spricht mit sanfter, von Tränenerstickter Stimme.)
O, eine edle Himmelsgabe ist
Das Licht des Auges — alle Wesen leben
Vom Lichte, jedes glückliche Geschöpf —
Die Pflanze selbst kehrt freudig sich zum Lichte.
Und er muss sitzen, fühlend in der Nacht,
Im ewig Finstern — ihn erquickt nicht mehrDer Matten warmes Grün, der Blumen Schmelz,
Die roten Firnen kann er nicht mehr schauen —Sterben ist nichts — doch leben und nicht sehen,Das ist ein Unglück — warum seht ihr michSo jammernd an? Ich hab’ zwei frische AugenUnd kann dem blinden Vater keines geben,
Nicht einen Schimmer von dem Meer des Licht’s,
Das glanzvoll, blendend mir ins Auge dringt.
Stauffacher.
Ach, ich muss euern Jammer noch vergrössern,
Statt ihn zu heilen — er bedarf noch mehr!
Denn alles hat der Landvogt ihm geraubt;
Nichts hat er ihm gelassen als den Stab,
Um nackt und blind von Tür zu Tür zu wandern.
M e 1 c h t h a 1.
Nichts als den Stab dem augenlosen Greis!
Alles geraubt und auch das Licht der Sonne,
Des Ärmsten allgemeines Gut — Jetzt redeMir keiner mehr vom Bleiben, vom Verbergen !
Was lür ein feiger Elender bin ich,
Dass ich auf meine Sicherheit gedacht,
Und nicht auf deine! — dein geliebtes HauptAls Pfand gelassen in des Wütrichs Händen;Feigherz’ge Vorsicht, fahre hin — Auf nichtsAls blutige Vergeltung will ich denken.
Hinüber will ich — keiner soll mich halten —
Des Vaters Auge von dem Landvogt fordern —