Aufblick. Man Stolz.
Halte nur allezeit fest daran, glaube und hoffe und bete,daß Gott dein Vater ist, und tue danach, dann bist du nie undnimmermehr verlassen und ohne Schutz. Das ist kein Vater,der weit hinweg ist, und an den du erst einen Brief schreibenund auf die Post legen und lange warten mußt, bis Antwortkommt. Du magst in der Kaserne sein, oder auf dem Meere nachAmerika schiffen, oder im Ungarland Arbeit suchen: sieh, er istdir allenthalben nahe, näher noch als dieses Buch, das du inder Hand hältst. Ja, wende ihm auch jetzt einen Augenblick einenfrommen Gedanken zu, bevor du weiter liesest, weil er ja beidir ist und auch jetzt wieder auf dich hört.-
Und das ist nicht ein Vater, der am Bett sitzt, wenn dukrank bist, und sagt: „Ich wollte dir gern helfen, wenn ich nurkönnte" — oder der zur bedrängten Witfrau sagt: „Hab' selbstFrau und Kinder und Schulden, kann mich deiner nicht an-nehmen," — sondern das ist ein reicher, allgewaltiger Gott undHerr, der mit Macht in alles hineingreift, und dem nichts zugroß und nichts zu klein ist.
Die Muschel des Onkels Bernhard.
Erckmann-Chatrian.
Der Onkel Bernhard hatte eine große Muschel auf seinerKommode. Eine Muschel mit rosenroten Lippen kommt bei unsnicht häufig vor. Daniel Richter, der alte Seesoldat, hatte sie vomWeltmeer heimgebracht zum ewigen Andenken an seine Reisen.
Man kann sich vorstellen, mit welcher Bewunderung wirDorsbuben diesen erstaunlichen Gegenstand betrachteten. Alle-mal, wann der Onkel Besuche machte, schlichen wir in seineBibliothek; dann standen wir da mit unseren nach hinten herab-hängenden Zipfelkäppchen, die Hände in den Taschen der blauenUeberhemden, die Nasen an der Marmorplatte der Kommode undbetrachteten die amerikanische Schnecke, wie Grete, die alte Magd,sie nannte.
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