Die dritte und höchste Pflicht ist die Wehrpflicht. Wer dieWohltaten des Staates genießt, muß auch zu dessen Schutz be-reit sein. Es heißt darum in der Bundesverfassung: „JederSchweizer ist wehrpflichtig." Von dieser Pflicht entbinden auchGlaubensansichten nicht. Unsere Vorfahren haben die Freiheitund Unabhängigkeit des Vaterlandes in vielen blutigen Schlach-ten erkämpft. Unsere Aufgabe ist es, diese Güter zu erhaltenund ungeschmälert unsern Nachkommen zu hinterlassen. Erobe-rungskriege wird die Schweiz nicht mehr führen; wenn es abergilt, das eigene Land zu verteidigen, so muß jeder SchweizerGut und Blut daran setzen.
Die Schweiz im Völkerbund.
Der Weltkrieg. Am 1. August 1914 brach ein Krieg aus,tvie es noch keinen gegeben hat. Man sah ihn wie ein am Himmelaufsteigendes Gewitter schon lauge kommen. Die Großstaatenrüsteten sich seit Jahren darauf und vermehrten ihre Heere undFlotten. Aber auf einen so schrecklichen Krieg, tvie er dann kam,war niemand gefaßt.
Den unmittelbaren Anstoß dazu gab eine Bluttat weit untenim Balkan. Der österreichische Thronfolger und seine Gemahlinwaren am 28. Juni 1914 bei ihrem Einzug in die bosnischeHauptstadt Serajewo von ruchloser Hand ermordet worden. DieUntersuchung ergab, daß sie einer in Serbien angestifteten Ver-schwörung zum Opfer gefallen waren. Österreich verlangte Ge-nugtuung, und als es sie nicht in dem geforderten Maße erhielt,erklärte es Serbien den Krieg.
Diese Kriegserklärung war der Funke, der den Weltkriegentzündete, denn nun kam Rußland Serbien zu Hilfe, und soforttraten auch Deutschland, das mit Österreich, und Frankreich undEngland, die mit Rußland verbündet waren, in den Krieg. Siezogen auch Belgien, Montenegro, Japan und die Türkei in denStrudel hinein. Im Verlauf des Krieges folgten noch andereStaaten nach: im zweiten Kriegsjahr Italien und Bulgarien,
149