Berufswahl.
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Ins Leben hinaus. . Otto stocfei-.
Jedes Frühjahr bringt viel Unruhe ins Schülervolk. Tau-sende verlassen das schützende Dach der Schule, zu einem nichtgeringen Teil auch das Elternhaus, um ins Leben hinauszutre-ten. Die einen sind körperlich und geistig wohl gerüstet dafür;andere hingegen fiub an Leib und Seele noch schwächliche Kinder;doch die schwere Zeit, in der wir leben, gönnt weniger denn jeeine Gnadenfrist.
Was nun? Was soll aus dir werden? Das ist die einfacheund doch so schwere Frage, die an dich und deine Eltern heran-tritt. Du willst doch wohl etwas Rechtes werden, etwas, worindu alle deine Gaben verwerten kannst. Du möchtest etwas wer-den, das dir auch den Werktag lieb macht.
Daß der Tag der Berufswahl für dich ein Schicksalstag ist,fühlst du wohl heraus. Die Frage geht aber nicht allein dich an.Du hast Angehörige, Eltern und Geschwister, denen deine Zu-kunft nicht gleichgültig sein kann. Im Gegenteil, es ist für sieeine ernste Familienangelegenheit. Du gehörst aber auch demganzen Gemeinwesen an. Es hat eilt großes Interesse daran,daß etwas Rechtes aus dir werde. Geschieht das Gegenteil oderwiderfährt dir sonst Unglück, so müssen andere für dich sorgen.
„Nur das nicht, einmal andern zur Last fallen," denkst dumit Recht. Das dachte wohl jeder, dem dies Schicksal zugestoßenist. Könntest du diese Unglücklichen befragen, so kämen manchemit bitteren Anklagen heraus. „Man hat mich nichts Rechteslernen lassen, da bin ich dann liederlich geworden." Ein an-derer: „Ich habe nichts lernen wollen, habe eben den Verstanddazu nicht gehabt, und nun ist es so gekommen." Ein Dritter:
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