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Lesebuch für das achte Schuljahr der Volksschule des Kantons St. Gallen / hrsg. vom Erziehungsrate
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Ehre jeder Hand voll SchwielenlEhre jedem Tropfen Schweiß,der in Hütten fällt und Mühlen IEhre jeder nassen Stirnhinterm Pfluge! Doch auch dessen,der mit Schädel und mit Hirnhungernd pflügt, sei nicht vergessen.

Der Weber. Arnold Ott.

Abgehärmt, in unterirdscher Klause,kalt und dunkel wie die Totengrude,nur von einem Flackerspan beleuchtet,sitzt der bleiche Weber und befeuchtetneu den Faden mit den Jitterhänden.

Eisige Zapfen tropfen an den Wänden.

Hingekauert auf dem niedern Stuhlesitzt er gramgebeugt und dreht die Spule,spinnt und webt an einem Leichenhemde,keuchend pocht fein Herz, das frostgelähmte;im Gedärm die Hungerwürmer scharren,an der Ahr die müden Zeiger schnarren,matter glimmt das Kummerlicht und trüber,finster schleicht die Mitternacht vorüber.

Träger jetzt die flinken Schifflein schießen,drüber hin die letzten Tränen fliehen.

Einen Gang noch und er ist am Ziele,sinkt verendend auf die feuchte Diele.

Von der Decke senkt an langem Fadensich die graue Spinne, wie geladen,ein zerrißnes Tagwerk fortzuspinnen.

Am die Leiche macht sie ihre Gängefeierlichen Schritts, als ging ihr Sinnen,auszumeffen eines Sarges Länge.

Weihnachtsglockenton vom nahen Turm!

Im Getäfel tickt der Totenwurm

Stille steht die alte Wälderuhr;draußen fegt der Schneesturm durch die Flur.

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