Die fremde Küste glich der von Sizilien und schien einParadies zu sein. Ein betäubender Duft entströmte Blütenund Früchten, und aus den Palmen, die wie Straußen-federn im leichten Seewind schwankten, ertönte herrlicherVogelsang. Sehr erstaunt waren die Spanier, als sie dieEingeborenen zusammengerollte Blätter rauchen sahen, diesie tabacos nannten.
Ueberall kamen Kolumbus die Eingeborenen mit Staunenund Unterwürfigkeit entgegen; man glaubte nichts anderes,als die Fremden seien Gesandte aus dem Reiche der Götter.
An der Nordküste Haitis erlebte aber Kolumbus ge-rade am heiligen Abend ein schweres Missgeschick. Einunerfahrener Steuermann liess die „Santa Maria“ auf eineSandbank aufrennen, so dass sie wrack wurde und die Be-satzung sich auf die „Nina“ retten musste. Beim Bergendes an Bord befindlichen Gepäcks halfen die gutmütigenEingeborenen bereitwillig, und nicht eine Stecknadel wurdedabei gestohlen.
Aber die „Nina“ war viel zu klein, um die ganze Mann-schaft aufzunehmen. Wie sollte man jetzt wieder nachSpanien zurückkehren ? Auch dafür wusste Kolumbus Rat.Er beschloss, eine Ansiedelung an der Küste zu gründenund vierzig Mann hier zurückzulassen, um nach Gold zusuchen. Wenn er wieder aus Spanien zurückkehrte, hattensie sicherlich schon eine Tonne voll dieses Metalls ge-sammelt, und damit liess sich dann Jerusalem leicht er-obern! Die Matrosen waren auch ganz bereit, zu bleiben,da sie die Eingeborenen zutraulich und das Klima gut fanden.
Gesagt, getan! Aus den Trümmern der „Santa Maria“baute man ein Blockhaus, versah es mit Lebensrnitteln, um-gab es mit Mauern und Gräben, und nachdem der Häupt-ling des Ortes ein Hemd und ein Paar Handschuhe alsEhrengeschenk erhalten hatte, lichtete Kolumbus auf der„Nina“ die Anker und steuerte heimwärts wieder überden Atlantischen Ozean, aber diesmal nach Osten.
Aus Sven Hedin, „Von Pol zu Pol“.
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