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Lesebuch für das achte Schuljahr der Volksschule des Kantons St. Gallen / hrsg. vom Erziehungsrate
Entstehung
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Im Reich der Mitte.

China ist das älteste, volksreichste und unwandel-barste Reich der Erde. AIs Ninive und Babylon blühten,vor 2700 Jahren, besass China schon eine hohe Zivilisa-tion; doch viertausend Jahre hindurch ist es immer das-selbe geblieben. Von Ninive und Babel sind nur nochTrümmerhaufen da, aber China zeigt noch keine Lebens-müdigkeit. Das westliche Asien gleicht einem grossenGräberfeld mit unzähligen Grabsteinen aus entschwun-denen Zeiten. VerheerendeVölkerwanderungen sind darüberhingegangen; Rassen und Reiche haben einander hier be-kämpft und abgelöst. Aber China ist durch die abgeschlosseneLage des Landes und den Abscheu des Volkes vor jederBerührung mit Fremden noch immer dasselbe wie früher.

Zweiundeinhalbes Jahrhundert vor unserer Zeitrech-nung baute ein mächtiger, vorausschauender Kaiser diegrosse chinesische Mauer, das gewaltigste Bauwerk, dasMenschenhände je ausgeführt haben. Sie ist 2450 Kilo-meter lang, 16 Meter hoch und an der Basis 8 Meter, nachoben zu aber nur 5 Meter dick. In bestimmten Entfer-nungen trägt sie Türme, und hier und da hat sie Tore.Sie ist aus Steinen, Ziegelsteinen und Fachwerk gebaut.Besonders im Westen des Reiches ist sie jetzt teilweisesehr verfallen, ja an einigen Stellen sind nur noch Trüm-merhaufen von ihr da. Im übrigen aber steht sie noch,und ich bin grosse Strecken an ihr entlang gezogen undmehrmals durch ihre schönen Tore gegangen.

Warum nun wurde diese ungeheure Mauer gebaut?Die Chinesen sind ein friedliebendes Volk. Um im Friedengelassen zu werden und von allen Eindringlingen verschontzu bleiben, umzäunten sie sich mit Mauern. Auch die 1553Städte Chinas haben gewaltige steinerne Ringmauern, undder grosse Kaiser im dritten Jahrhundert vor Christodachte, es sei am einfachsten, lieber gleich um sein ganzesReich eine solche Mauer zu bauen. Hauptsächlich drohte

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