Und welch ein prächtiges Blickfeld bietet sich erstfür astronomische Beobachtungen:
Bei Nacht sehen wir die unzähligen Sterne auf völligschwarzem Grunde, ebenso gruppiert wie auf Erden. AlleSternbilder sind in derselben Weise vorhanden. Auch diePlaneten erscheinen in nur wenig veränderter Lage undderselben Grösse. Aber alle Sterne, auch die kleinsten,bleiben bis zum Horizont hinab ungeschwächt und ohnejedes Flimmern in ruhigem Licht sichtbar. Sie scheinenfast still zu stehen, denn dreissigmal so langsam wie beiuns dreht sich der Sternenhimmel um die Achse der Mond-pole.
Und nun nähert sich die Mondnacht, die für jedenOrtspunkt der Mondoberfläche 14,8 Erdentage währt, wiederihrem Ende.
Ha! Was ist das? Plötzlich erscheint ein heller Punkt,schau, ein heller Fleck neben uns am Himmel; es ist dieSpitze eines Mondberges. Die aufgehende Sonne, durchkeine Dämmerung, keine Morgenröte angekündet, hat sieerreicht. Langsam wächst der helle Fleck, die schon be-leuchtete Bergspitze, nach unten, und andere tauchen nebenihr am Himmel auf, während der Fuss des Berges undalle Täler noch im schwarzen Schatten ruhen. Ja dieserSchatten ist, da keine Lufthülle zerstreutes Licht verbreitetund keine Spur von Dämmerung vorhanden ist, so tief-schwarz, dass die Gelände, auf denen er ruht, unsichtbar,nicht vorhanden erscheinen. Dort, wo Licht und Schattenaneinander grenzen, würde man beim Übergang zum Schattenin einen Abgrund zu treten vermeinen.
Sehr, sehr langsam steigt die strahlende Sonne amHorizont herauf. Sie ist nicht matt und rot, sondern so-gleich weisser und blendender denn je auf Erden. All-mählich sieht man die Schatten der Ringwälle und ihrerGipfel sich vorn Boden abheben und langsam sich verkürzen.Zugleich enthüllt die Sonne immer mehr von der steinernen
240