war es zu spät, sie zu retten, auch wenn Land und Wassernahe gewesen wären.
Der Tag war still, die Luft aber noch mit Staub gesät-tigt. Mit Recht sagten die Männer, es sei ein Segen Gottes,dass das Wetter in den letzten Tagen so frisch gewesen undwir nicht von der Glut der Sonne zu leiden gehabt; sonstwären alle Kamele zugrunde gegangen, und wir selbst hättenihr Schicksal teilen müssen.
Ich ging 121/2 Stunden in einem Zug, und wir legten27 km zurück, ehe wir uns lagerten. Keine Erleichterung warnach Osten hin zu bemerken. Ein Meer von Dünen breitetesich bis an den Rand des Horizonts aus, und man sah keinenGegenstand, auf dem man den Blick hätte ruhen lassenkönnen.
Wir hatten noch zwei Glas Wasser in der eisernen Kanne,etwa einen Drittelliter. Während die andern Männer mit demBeladen der Kamele beschäftigt waren, überraschte Islam Baiden Gefährten Jolltschi, wie er, mit dem Rücken nach denKameraden gekehrt, die eiserne Kanne vor dem Munde hatte.Nun kam es zu einem jener widerwärtigen, peinlichen Auf-tritte, die bei solchen Gelegenheiten nicht ausbleiben. Vor Wutkochend, stürzten Islam Bai und Kasim auf Jolltschi los,schlugen ihn zu Boden, ohrfeigten ihn, stiessen ihn mit denFüssen und würden ihn umgebracht haben, wenn ich ihnennicht streng befohlen hätte, aufzuhören.
Die Hälfte, ungefähr ein Sechstelliter, war noch übrig.Um die Mittagszeit gedachte ich die Lippen der Männer da-mit anzufeuchten. Der Rest sollte am Abend in fünf gleicheTeile geteilt werden, für jeden einen Esslöffel voll. Wir re-deten davon, wieviel Tage wir dann wohl noch würden aus-halten können. Mohammed Schah erinnerte sich, dass er vorvielen Jahren einmal in Tibet 13 Tage lang auf einem wasser-losen Pfade dahingekrochen und -getaumelt sei. Dann klan-gen die Glocken wieder, und der Zug setzte sich nach Ostenin Bewegung. Anfangs hatten die Dünen nur 8 m Höhe, aber
211