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Lesebuch für das achte Schuljahr der Volksschule des Kantons St.Gallen / nach Vorlage der Lehrmittelkommission hrsg. v. Erziehungsrate
Entstehung
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Nirgends sehen wir schlammige, lehmige Ackererde,staubigen Sand. Überall blinkt uns der nackt anstehende Felsentgegen. Herrliche Kristalle glänzen auf den hellen Gipfeln,schimmernd in ihrer natürlichen Farbenpracht. Denn eineVerwitterung der Felsen, eine Auflösung und Zerreibung inSand, wie sie auf der Erde unter dem Einfluss der Nieder-schlage und der Winde eintreten, ist auf dem Mond ausge-schlossen. Er besitzt ja weder Wasser noch eine Atmosphäre,die auf der Erde ihre immerwährende zerstörende Tätigkeitausüben. Wir können darum auch sicher sein, bei unsermSpaziergang günstiges Wetter vorzufinden. Denn bei demvölligen Mangel an Luft und Wasser können auf dem MondWind, Sturm, Nebel, Wolken, Regen, Reif, Schnee, Hagelund Gewitter nicht vorkommen.

Und welch ein prächtiges Blickfeld bietet sich erst fürastronomische Beobachtungen:

Bei Nacht sehen wir die unzähligen Sterne auf völligschwarzem Grunde, ebenso gruppiert wie auf Erden. AlleSternbilder sind in derselben Weise vorhanden. Auch diePlaneten erscheinen in nur wenig veränderter Lage und der-selben Grösse. Aber alle Sterne, auch die kleinsten, bleibenbis zum Horizont hinab ungeschwächt und ohne jedes Flim-mern in ruhigem Licht sichtbar. Sie scheinen fast still zustehen; denn dreissigmal so langsam wie bei uns dreht sichder Sternenhimmel um die Achse der Mondpole.

Und nun nähert sich die Mondnacht, die für jeden Orts-punkt der Mondoberfläche 14,8 Erdentage währt, wiederihrem Ende.

Ha! Was ist das? Plötzlich erscheint ein heller Punkt,schau, ein heller Fleck neben uns am Himmel; es ist dieSpitze eines Mondberges. Die aufgehende Sonne, durch keineDämmerung, keine Morgenröte angekündet, hat sie erreicht.Langsam wächst der helle Fleck, die schon beleuchtete Berg-spitze, nach unten, und andere tauchen neben ihr am Himmel

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