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zwanzig. Dreissig und zwanzig macht fünfzig oderein Halbfränklein! O komm, wir kaufen das Züpfli!“
„Ich mag jetzt nicht mehr,“ meinte Fridel schonwieder ganz gleichgültig.
„Warum jetzt nicht?“
„He, ich habe gedacht, es bleibe mir dann nochzehn oder zwanzig übrig. Gerade alles begehr ichnicht zu geben.“
Aber Resli hatte jetzt diesen Ziipfenhandel imKopf und liess nicht nach. Es riss immer wieder an 3Fritzens Hosenträger, packte bald seinen Arm, baldseine Hand und legte sein ganzes Herz in seine Bit-ten: „Fritz, denk doch, wie schön das wird, wenndu heimkommst und legst der Mutter das Züpfliaufs Bett.“
Trotz allen Widerreden liess er sich doch vonResli ziehen und zerren, bis die beiden wieder vordem Weckenfraueli standen.
„Gelt, Fritz, du willst?“ Aber die Hände kamennoch nicht aus den Taschen. Tapfer legte Resli seinenZwanziger auf das Brett, dass er in der Sonne glänzte.„Sieh, Fritz, er reut mich nicht die Spur. Gelt, Frau,er kann wohl das Züpfli kaufen für seine krankeMutter.“
„O ja, das meine ich auch. So etwas ist besondersgut für die Kranken. Sie können es gut beissen undes macht ihnen wohl im Magen.“
Stillschweigend klaubte Fritz seine dreissig Rap-pen aus dem Zipfel des Taschentuches und legte siebedächtig neben den Zw T anziger. Die Frau wackeltedas braunglänzende Züpfli in ein Zeitungspapier undnickte freundlich mit dem Kopfe. Fritz nahm dasPack und ging schweigend davon — Resli folgte.
Elisabeth Müller.