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„O, ein Schneeglöcklein!“ jubelten sie, „da stehteins, so schön, so reizend, das erste, das einzige!“Und diese Worte taten der Blume so wohl;das waren Worte wie warme Sonnenstrahlen. DasSchneeglöcklein merkte in seiner Freude nicht ein-mal, dass es gepflückt wurde. Es lag in Kindeshand,wurde von Kindesmund geküsst, wurde in die warmeStube gebracht, von freundlichen Augen betrachtetund von weichen Händen ins Wasser gestellt. DasBlümchen fühlte sich neu gestärkt und belebt, alswäre es auf einmal mitten in den Sommer hinein
Versetzt. Hans Christian Andersen.
104. Ein neues Fest.
Der Winter ist vergangen,es dünkt uns wie ein Traum.Die Schlüsselblumen prangen,schon knospen Busch und Baum.Verklungen sind die Liederder heil’gen Weihnachtszeit;doch seht, schon ist uns wiederein neues Fest bereit!
Man feiert’s nicht im Zimmer,nein, auf der grünen Au,nicht bei der Kerzen Schimmer,nein, unterm Himmelsblau.
Des Christbaums dunkle Ästesind hin mitsamt der Frucht;nun wird im moos’gen Nestedas Osterei gesucht.
Süss klang’s in unsern Ohrenzur Winternacht so kalt: