Buch 
Lesebuch für das fünfte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorl. der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate
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Wind und Luftschiff. Frida Klauser.

Der Wind saß still in seiner Wolkenburg. Den langenFaltenmantcl hatte er eng um sich geschlungen.

Plötzlich sah er verwundert auf. Brr. . . tönte es an seinOhr, und gleich darauf sah er einen sonderbaren Vogel vorbeisticgcn.Auf seinem Rücken saßen Menschen.

Menschen? hm, hm, machte der Wind. Statt der Flügelbewegten Räder den langgestreckten Vogelkörper vorwärts, Räder,die sich fortwährend drehten und dabei sangen: Rrrrrr . . . .Ein Weilchen noch sah der Wind dem Luftschiffe nach, dann stander plötzlich auf.

So, so, also fliegen wollen die Menschen? Ha, sie sollenmeine Kraft spüren. Ich bin der Herr der Lüfte. Die Wolken am Himinelgehorchen mir. Die Wellen anf dem See folgen meinem Winke.Blätter und Blüten, Sand und Erde, Feuer und Wasser, ich tragesie alle nach meinem Willen, wohin es sei. Und diese Menschen,die auf der Erde manchmal kaum festen Stand haben, die wollenfliegen ohne mich?

Der Wind blies die Falten seines Mantels auseinander. Dabegann es in den Lüften zu sausen. Im Walde ertönte ein Rauschen.Die Bäume bogen und krümmten sich ächzend, und krachend brachendie Äste. Dort eine junge Eiche hob der Wind mitsammt denWurzeln aus der Erde. Auf dem See begann es zu ivogcn. Diekleinen Schifflein warf es hin und her. Die Segler legte es auf dieSeite. Das kleine Feuer in der Holzhütte fing an zti wachsen.Die Flammen stiegen das Dach hinaus. Es läutete Sturm mitallen Glocken.

Jetzt stürmte der Wind mit aller Macht dem Luftschiff ent-gegen. Er riß an den Rädern, an den Flügeln, an den Menschen.Seine Kraft versagte. Durch Sturm und Brausen trieb das Schiffder Erde zu.

Grimmig holte der Wind zu neuem Angriff aus. SolchenWiderstand hatte er nicht erwartet. Sollten die Menschen dochstärker sein als er? Schon waren sie dem Landen nahe. Nimmermehr!