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ttuttg wächst. Da siehe! Wie ein mächtiges Gespenst schiebt sichder Schiffsrumpf aus der dichten Nebelhülle heraus. Langsam fährtdas Schiff in den sichern Hafen ein. Gott sei Dank, daß wir dasind, entringt sichs den Lippen einer ängstlichen Frau, die währendder unheimlichen Fahrt schier verzagen wollte. Die wenigen Fahr-gäste sind bald ansgestiegen. Wer Handgepäck bei sich trägt, wirdvon Zollwächtern aufs Zollamt gewiesen. Barärmlige Matrosenschleppen die Stückgüter auf Schubkarren nach dem nahen Bahn-schuppen. Bald wirds stille auf dem Hafenplatz, und man hörtnur noch das Geschrei der leichten Möven.
Kbeinlal.
An der Heerstraße der Vogelzüge. B. Kobler.
Durch das Rheintal bewegt sich seit uralten Zeiten der Vogel-zug. Im Altenrhein, im Eselsschwanz*) und in den Stauden desBruggerhorns und der Rheiuauen, da landen die Vögel im Früh-ling aus fernen Ländern, und im Herbst sammeln sie sich dort wieder.Aus allen Gauen des Landes treffen dort Vögel zusammen, undwenn alles beisammen ist, reisen sie in Schwärmen fort.
Zuletzt auch die Stare. Wenn der Wimmet vorbei ist unddie Appenzellerberge bereits den ersten Winterschnee tragen, dannlanden die^Stare im Rheingebiet in Heerhanfen zu taufenden undtaufenden. Gegen den Abend hin rückt ein Schwärm nach demandern lärmend und schwatzend im Schilf- und Staudengebiet ein.Die Vögel übernachten dann in den hohen Pappeln oder in schwarzenKnäueln im Schilf, daß sich die Rohre biegen. So geht es wochen-lang. Zu einer Nacht, da rauscht und schwirrt es plötzlich in derLuft, und ein Schwärm von Zehntausenden wendet sich dem Südenzu. Am folgenden Tage ist im ganzen Rheintal kein einziger Starmehr zu sehen.
*) Alter Rheinbogen östlich von Rheineck, Eiland im alten Rheinbettzwischen An und St. Margrethen.