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Das neue Luftschiff, zu dem das Volk Deutschlands einmütigeine Million gestiftet hatte, unternahm seine erste Fahrt nach derSchweiz, nach St. Gallen. Wohlan! Wir alle haben dem GrafenZeppelin zugejubelt, als. er aus der Gondel seine weiße Mützeschwenkte.
Es ist halb 11 Uhr. Schon fährt das Luftschiff über denTannenberg wieder dem See zn. Jetzt steht es auf der Höhe vonBischofszell, steuert Bernhardzcll entgegen iinb wendet sich stolz undsicher wieder seiner Wasserwiege 51 t, die weit draußen in leichtemNebel verborgen liegt. Nun ists noch ein blendend iveißcr Stricham tiefblauen Hintergrund. Voll Beivunderung schauen wir ihmnach und nehmen uns vor, nie zu vergessen, daß am 31. März 1911das Luftschiff des Grafen Zeppelin sich erhoben hat, um der Schweizbeu Nachbargruß zu bringen.
In der Nähe des Broderbrunnens, inmitten der Stadt, wurdeeine Depesche in Handschrift gefunden: Gruß den wackern Eidge-nossen und der Stadt St. Gallen! Graf Zeppelin.
Die S1. Galler trinken aus dem Bodensee.
Noch vor 50 Jahren mußten die Hausfrauen der Stadt dasTrink- Koch- und Waschwasser an den öffentlichen Brunnen holen,die aus den Quellen an den Abhängen der Stadt gespeist wurden.Oder sie riefen den Wasserträger, der ihnen für 20 Rappen eineTaufe Brunnenwasser ins Haus brachte. Mit dem Anwachsen derStadt reichten die Quellen in der Stadtnähe nicht mehr aus, und derRat der Stadt mußte sich in der wcitcrn Umgebung nach neuenOtiellcn umsehen. Er kaufte einige an den Nordhängen der Hund-wilerhöhe, sammelte ihr Wasser und führte es in einer langen Rohr-leitung zur Stadt. In der Nähe des Gmündertobel-Viaduktes setztsie über die Sitter. Du siehst sie, wenn du von der Brücke fluß-aufwärts schaust.
Gar bald genügte aber auch das Hundwiler Wasser nichtmehr, und von neuem mußte der Stadtrat auf die Wasserstiche.Er prüfte das Wasser im Seealpsce, im Weißbachtale und in derSchwägalp. Aber die appenzell-innerrhodische Regierung brachte ein