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bei der Sardonahütte liest man heute noch auf einem bemoostenFels die Jahrzahl 1636. Ein Walser wird sie mit seine»: Pfeileeingeritzt haben, bevor er die rauhe Heimat verließ.
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Alpkirchleii: bei St. Martin im Calfeisental.
Das Wildheuen in den Kurfirsten.
Das Wildheuen ist eine gar mühsame und gefährliche Arbeit.Wenn der Sonntag sich zu Ende neigt, nimmt der Wildhcucr Ab-schied von seinen Lieben in: Tale. Der Segen des Hauses begleitetden stillen, ernsten Wanderer, der im kühlen Abendschatten aufwärtssteigt. Sein Rücken ist schwer bepackt mit Hcugeschirr und Lebens-mitteln für eine ganze Woche. Eine Ziege ist sein treuer Gefährte.Sie soll ihm die nötige Milch für den spärlichen Haushalt liefern.Nach zivci Stundet: ist das heutige Ziel erreicht. Wie fühlt er sichglücklich, ivenn er seine müden Glieder ins duftende Heu ausstreckenkann! Der Nachtwind, der von der Hochivand niedcrsteigt, singt ihn:cii: Schlummerlied, und von der nahen Tanne ruft ein Käuzchcn.
Von fernher tönt leise, leise ein Aveglöcklcin. Es läutet demWildhcucr znn: Gebet und zur Arbeit. Eine kräftige Mehlsuppcist bald gekocht. Das ist ein Spaß für einen richtigen Wildheuer.Wenn aber gegen Ende der Woche Brot, Mehl und Butter zurNeige gehen, wägt er sorgenvoll seine Portionen ab.