246
Wodurch die Mundarten sich scheiden, worin sich gleichen.
a) Um den Säntis herum schneit es ganz verschieden:
In Appenzell schniits, in Wildhaus schnaaets, in Peterzel!schnäits.
b) Auch die Steine klingen rings im St. Galler Land ungleich:Stä, Sie, Stei, Staa, Stoa, Stae.
Die Mundart scheidet die Leute von Ort« und Talschaften;aber die Schriftsprache vereint alle deutschen Jungen.
a) Mundartwörter, welche nicht weit herum bekannt^ sind,meidet die Schriftsprache. Was setzt sie für:
jucke, lupfe, gumpe, chresle, . . . . ?e Schooß, e Guttere, e Blotere, e Trucke . . . ?
b) Manches Wort der Mundart braucht die Schriftsprache inanderm Sinn:
de Hund hebe (den Hund halten) hei springe (Heimrennen)anstatt gfahre simmer hei glaufe (statt zu fahren sind wir zuFuß heiingegangen).
a) Seine Mundart kann jeder frei sprechen, wie ers gewohntist; die Schriftsprache aber ist genau zu sprechen und zuschreiben.
II.
Bom reinen Sprechen.
Eine undeutliche Aussprache ist wie eine trübe Quelle.
a) Bom Wohlklang der Selbstlaute.
1. a tönt klar und voll nur vorn im Munde, nicht hinten.Lies langes a: Vater, Tafel, im Magen, ein Nagel, mitFaden, im Schnabel, der Adler, seine Nase, ein Wagen, inden Läden, dein Name, nämlich, Geld sparen, viel Schaden,schädlich, nichts sagen, geschlagen, du schlägst, täglich, frischgewagt, fort gejagt.
Sprich hingegen kurzes a: alt, arm, kalt, warm, scharf,gebracht, gedacht, ich darf, er wartet, was ist das, er springtab, er fängt an, am Arm, seine Arme, am Bart, Erbarmen