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Quellen brachen aus dem Verginnern hervor und brachtenGefahr. Doch die Baumeister und Arbeiter wußten Rat undTat. Der dunkle Pfad wurde mit Hammer und Handbohrerweiter in den Fels getrieben. Dabei kam mancher Fund denArbeitern vor die Füße: Versteinerte Blätter und Muscheln,Stücke von Braunkohle, die erzählen, daß in der Gegend amNicken einst ein riesiger Palmenwald, ja noch früher sogar einMeer gewesen sein muß. Am 30. März 1908 fiel die letzteScheidewand, und die Arbeiter von Süd und Nord reichtensich die Hände. Am 1. Oktober 1910 sah man den ersten Zugdurch den Ricken dampfen. Die Rickenpost tat ihre letzte Fahrtüber den Berg. Von Romanshorn bis nach Rapperswilwurde allerorts ein Fest gefeiert, und noch heute erzählenuns Kalender, Festschriften und Zeitungen aus jenen Tagen,da Bodensee und Zürichsee durch einen geraden Schienen-weg verbunden wurden.
Die Linthebene in früherer Zeit. W. Senn.
Die Gegend ging allmählich ihrem Verderben entgegen.Die Elarner Gewässer führten der Linth immer größere Ee-schiebsmassen zu; das Linthbett wurde von Jahr zu Jahrhöher. Die Dämme vermochten zur Zeit der Schneeschmelzeund bei Hochgewittern die trüben Fluten nicht mehr zu fassen.Reue und höhere Dämme wurden aufgeführt. Die Linth la-gerte neues Geschiebe im Flußbette ab. Die Binnenwasserkonnten nicht mehr hineinfließen; sie stockten und versauertendie Wiesen. Schilfrohr, Binsen, Wollgras und andere Sumpf-pflanzen verdrängten die süßen, saftreichen Futterkräuter;die Obstbüume starben ab. Bei jedem Hochwasser erfolgtenDammbrllche und verwandelten die Wiesen in Seen. DieSchiffahrt, einst so leicht und lustig, war fast zur Unmöglich-keit geworden. Die Erhebung des Linth-Magbettes hatteauch eine Stauung der Mag und des Wallenfees zur Folge.In Weesen schlugen die Seewellen zuweilen an die Stuben-fcnster der Häuser, und man mußte in den Straßen zuSchiffe fahren. In der Klosterkirche in der „Widen" reichtedas Wasser an die Chorstiege. Im Gasthaus zum Schwert