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Graf Rudolf von Habsburg.
17. Graf Rudolf von Habsburg.
Von Aegidius Tschudi.
Dero Zit reit Graf Rudolf von Habspurg (Harnach Künig) mitsinen Dienern usfs Weid-Werck gen Beitzen und Jagen, und wie Erin ein Ouw kam allein mit sinem Pferd, hört Er ein Schellen klingeln;Er reit dem Getön nach durch das Gestnd ze erfaren, was das wäre;do fand er ein Priester mit dem Hochwürdigen Sacrament und sinMeßner, der Im das Glögkli vortrug. Do steig Graf Rudolf vonsinem Pferd, kniet nider und tet dem H. Sacrament Reverentz. Nunwar es an einem Wässerlin, und stellt der Priester das H. Sacramentnebend sich, fieng an sin Schuh abzeziechen, und wölt durch den Bach(der groß usfgangen) gewaten sin, dann der Stäg durch Wachsungdes Wassers verrannen was; der Graf fragt den Priester, wo Er ußwölt? Der Priester antwurt: „Ich trag das Heil. Sacrament zueinem Siechen, der in großer Kranckheit ligt, und so ich an diß Wasserkumm, ist der Steg verrunnen, muß also hindnrchwateii, damit derKrancke nit verkürzt werd." Do hieß Graf Rudolf den Priester mitdem Hochwürdigen Sacrament nsf sin Pferd sitzen und damit biß zumKrancken faren und sin Sach nßrichten, damit der Kranck nit ver-staubt werd. Bald kam der Dienern einer zum Grafen, nsf deß Pferdsaß Er und für der Weidny nach.
Do nun der Priester wieder heim kam, bracht Er selbs GrafRudolfen das Pferd wider mit großer Dancksagung der Gnaden undTugend, die Er Im erzeigt; do sprach Graf Rudolf: „Das wollGOtt niemmer, daß ich oder keiner miner Dienern mit Müssen dasPferd überschrite, das nun Herrn und Schöpffer getragen hat. Dnncktüch, daß Jr's mit GOtt und Recht nit haben mögent, so ordnend Jres zum Gottzdienst; denn ich hab's dem geben, von dem ich Seel,Lib, Eer und Gut ze Lechen hab." Der Priester sprach: „Herr, nunwolle GOtt Eer und Würdigkeit hie im Zit und dorten ewigklich anüch legen!"
Morndes darnach reit der Graf zu dem Clösterlin Bar an dertzimagt, zwischen Zürich und Baden gelegen, da was ein seligegeistliche Closter-Frow, die wollt Er heimsuchen; die sprach zu Im:„Herr, Jr Hand des vordrigen Tags GOtt dem Allmächtigen einEer bewisen mit dem Roß, so Jr dem Priester ze Allmnsen geben,deß wird der Allmächtig GOtt üch und üwer Nachkommen Hinwiderbegaaben. Und sollend sürwar wüssen, daß Jr und üwer Nachkommenin höchste zitliche Eer kommen werdend." Darnach ist derselb Priesterdeß kurfürstlichen Erzbischosfs von Mentz Caplan worden und hatIm und andern Herren von solcher Tugend, vuch von Mannheit