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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Die Weiberschlachl aus der Langermatt.

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Laßt fahren die Habe; ein Höheres gilt's!Wir müssen uns waffnen, die Ehrebefichlt's,

Die Frauenehrc in Liebe stark.

Aus dieser Matte und Landcsmark,

Hier wollen wir kämpfen, uns helfe Gott!Wollen strafen und dämpfen die ränbrischeRott'!"

Die Frauen hören das mutige Wort;

Der Jungfrau Eifer reißt sie mit fort.

Zum tapfern Schlagen sind sie entflammt,Und Greda führt sie, als Mär's ihr Amt.Zu den Hütten zerstreut sich der FrauenSchwärm,

In Eil zu bewaffnen den weiblichen Arm.Hornruf hallt. Die Stnrmglock' schallt.Was irgend sich rühren und wehren kann,Frau, Jungfrau, Knab' und greiser Mann,Wer lebensfroh und wer lebenssatt,

Sie all sind entboten zur Langermatt.

Ein erster Schuß am Berge knallt.

Sein Echo zwölfmal widerhallt.

Wie der Simme Onellflut siebenfachVom Gletscher stürzt, so mit Gekrach,

Mit Toben und mit PoltergetönDie Walser Heerschar steigt ab denHöhn.

Mit Flinten, Spieß und Hellebard,

Die Knaben und Greise, um Siegfriedgeschart,

Im Vordertrcffen Mutes vollDes Feindes harren. In Sähen tollJagt dieser herab auf die Langerwcid,Den Lenkern zu bieten blut'gen Bescheid.Doch manchen streckt zum schlimmenEmpfang

Die Kugel Siegfrieds hin au den Hang.Sie stürme» zur Matte. Ein HandgemengErhebt sich bald, ein heiß Gedräng.

Nun gilt's! Nun werde zum Mann,du Knab'!

Du Greis, wirf die Bürde des Alters ab!Wie mutig sie ringen! Die Waffenschwingen!

Und mit der Streitaxt allen voran,

Hat Siegfried allein das meiste getan.Wie sollt' er aber behalten das Feld?Umringt, umstellt, sein Häuflein hältNicht lange stand. Horch! Jetzt gelltDer Kriegsrnf aus tapfrer Frauen Mund.Das sind die Frauen vom Lenkergrund.In Waffen seltsam und mancherleiFührt Greda den weiblichen Harst herbei.Der bricht aus des Bergwalds Bartflecht-gcrank,

Fällt unversehns dem Feind in die Flank'!Flammenden AngS mit erhobenem Schwert,Wie ein rächender Engel, Greda fährtAn der Spitze der Frau'n auf die Walserlos.

Bei diesen das Staunen, der Schreck wargroß.

Laßt, Weiber, uns sehn", ruft einerergrimmt,

Wie heut das Fechten zu Frauen stimmt!"Sein Haupt teilt Greda mit wuchtigemHieb;

Auf der Langermatte er liegen blieb.

Die Walser fochten mit grimmer Wut,Denn, Weibern zu weichen, kränkt' ihrenMut.

Im Kampf, der heißer und heißer entbrennt,Vom Lärm der Waffen erbraust dasGeländ'.

Manch Walser sinkt, manch Weib imGewühl

Färbt blutig den Nasen am Langcrmatt-bühl.

Der tapfre Siegfried, todwund vom Streit,Schleppt mühsam sich weg, zu ruhn abscit,Gebettet in Alpros' und Edelweißstcrn.Seine dunkelnden Blicke folgen von fernDem Kanlpf der Frauen und ihrem Sieg.Er schaut auf Greda; wo diese ficht,

Da wettert und wütet ein blutig Gericht;Wo Greda kämpft in der Frauen Mitt',Da weichen die Walser Schritt für Schritt.Ein Nest der Feinde geschlagen entkamMit klaffenden Wunden und knirschenderScham.