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Beljazar. — Firdusi.
13. „Iehova, dir kund' ich auf ewig Hohn,
Ich bin der König von Babylon!"
14. Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem König ward's heimlich im Busen bang.
15. Das geltende Lachen verstummte zumal,
Es wurde leichenstill im Saal.
16. Und sieh, und sieh! An weißer WandDa kam's hervor wie Menschenhand,
17. Und schrieb und schrieb an weißer WandBuchstaben von Feuer und schrieb und schwand.
18. Der König stieren Blicks da saßMit schlotternden Knieen und totenblaß.
19. Die Knechteschar saß kalt durchgrantUnd saß gar still, gab keinen Laut.
20. Die Magier kamen, doch keiner verstandZu deuten die Flammcnschrift an der Wand.
21. Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Bon seinen Knechten umgebracht. «Vgl. Nr. ??.,
104. Mrdusi.
Von Joseph Viktor Widinann.
1. Es kommt inS Tor von Tus
gezogen
Der Königsboten reiche Schar;
Da stellt sich unterm dunkeln BogenEin Leichenzug auf einmal dar.
Schmal ist das Tor, groß das Gepränge,Mit dem die Königsboten zieh»;
Ihr Führer mustert das GedrängeUnd heißt die Leichenträger flichn:
2. „Mich hat der König hergesendet!Firdusi lebt in eurer Stadt,
Dem huldvoll wieder zugewendetDer König seine Gnade hat.
Und wie, wenn hold ihr Antlitz kehretDie Sonne nach Gewitternacht,
Die Welt des Goldes nicht entbehret,Nein, doppelt strahlt in neuer Pracht:
3. So auch, wenn gnädig wieder blicketDes großen Königs Angesicht;
Was er durch uns dem Sänger schicket,Ist wie ein Quell vorn Sonnenlicht.Mit Gold und Perlen schwer belastetIst meiner Dromedare Zug;
Nun aber ward genug gerastet.
Gebt Raum! Ich fordrc dies mit Fug!"
4. Der Stolze sprach's. Doch aus
der Mitte
Der Leidgenvssen trat hervorEin Greis mit würdevollem Schritte.
Er sprach und sah bewegt empor:
„ Vom König kommst du? Wir auch gehenZu einem König reich an Macht.
Wer mag dem Tode widerstehen?
Wir tragen alle seine Tracht.
5. Und willst den Sänger du verehren,So magst du zu der Bahre dort
Dein Aug' in tiefer Trauer kehren;
Wir tragen ihn zum Ruhevrt.