254
III. Die Neuzeit.
Unterwerfung
des
ganzen Landes.
Der
NidwaldnerAufstand,9. Sept. 1798.
Die NotNidwalden.
Pestalozziin Stans.
ein weiterer Widerstand nutzlos sei. Er beantragte derLandsgemeinde die Annahme der Konstitution. Schmerz-erfilllt stimmte das Volk seinem Rate bei. Hierauf unter-warfen sich auch die übrigen Länder der innern und deröstlichen Schweiz.
Aber nach einigen Monaten schlug die Kriegsfackelnoch einmal auf. Die Franzosen hatten sich als Befreierangekündigt. Nun aber raubten sie das Land habsüchtigaus und machten sich dadurch allgemein verhasst, auchbei denen, die ihnen zuerst zugejubelt hatten. DieserVolkshass richtete sich in gleichem Masse gegen die neuehelvetische Regierung. Der Treueid, den diese im Augustvon allen Schweizerbürgern verlangte, wurde ihr au ver-schiedenen Orten verweigert, am hartnäckigsten in Nid-walden, wo das Volk durch einige übereifrige Priesterzu der Anschauung gebracht worden war, die Religion unddas Vaterland seien durch die Eidforderung bedroht; esbeschloss, diese heiligen Güter bis aufs äusserste zu ver-teidigen. Als General Schauenburg am 9. Septemberim Auftrage der Regierung das Ländchen besetzen wollte,leisteten ihm dieNidwaldner bei Stausstad, Stans undBeckenried einen so heldenmütigen Widerstand, dass ernach schweren Verlusten bekannte, es sei dies der heissesteTag seines Lebens gewesen. Der Feind wurde dadurchzur höchsten Wut gereizt und erfüllte das Ländchen inschrecklicher Weise mit Raub, Mord und Brand. Das ver-wüstete Nidwaldeu versank in Not und Elend. Von allenSeiten musste ihm Hilfe gebracht werden. Schauenburgselbst liess Lebensrnittel verteilen. Der Kinder- und Armen-freund Pestalozzi aber sammelte mit Unterstützung derhelvetischen Regierung die verwaisten Kinder des Landesund widmete sich im Waisen hause von Stans ihrerPflege und Erziehung. Die Nidwaldner leisteten nun denTreueid, und damit war die Umgestaltung der alten Eid-genossenschaft in die neue helvetische Republik vollendet.
W