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leuten und Regierungen zahllose Anfragen an den Gott er-gingen und die kostbarsten Geschenke sich im Tempel anhäuften.Der Einfluß des Orakels war oft sehr wohltätig. Es suchtedie Schrecken des Krieges zu mildern, indem es den Griechengebot, keine ihrer Städte zu zerstören und keiner das Trink-wasser abzuschneiden. Wenn Gemeinwesen an schwerenSchäden krankten, so befahl es etwa einem Bürger, bessereGesetze zu geben, und machte diese durch seine Zustimmungdem Volke heilig und ehrwürdig. Anderseits wurde es frei-lich auch die Ursache der „heiligen Kriege“, die den Unter-gang der Freiheit Griechenlands herheiführten.
3. Die olympischen Spiele. — Eine andere religiöseEinrichtung, welche die Griechen verband, waren die gemein-samen Wettkämpfe, die sie zu gewissen Zeiten zu Ehrenihrer Götter veranstalteten. Die berühmtesten wurden allevier Jahre im Hochsommer zu Olympia, im westlichenPeloponnes, zu Ehren des Zeus gefeiert. Kam die Zeit desgroßen Festes, so waltete Gottesfriede in ganz Hellas. Vonallen Staaten, auch von den Kolonien jenseits des Meeres,kamen Festgesandtschaften mit Opfertieren nach Olympiaund lagerten unter Zelten oder unter freiem Himmel. DennOlympia war keine Stadt. Nur die Priester mit ihren Dienernhatten dort ständige Wohnungen neben dem Heiligtum. Diesesbestand aus einem Hain von Platanen und Ölbäumen, dersich im Laufe der Zeit mit Tempeln, Altären, Bildsäulen undanderen herrlichen Kunstdenkmälern erfüllte. Da erhob sichals schönster Schmuck der prächtige Marmortempel des Zeus,der das erhabenste aller Kunstwerke umschloß, das vondem Athener Pheidias aus Gold und Elfenbein verfertigtemajestätische Sitzbild des Göttervaters. Inmitten des heiligenHains stand ein gewaltiger Altar, auf dem die Opfertiereverbrannt wurden. Aber der Hauptteil der Feier waren dieSpiele, die Wettkämpfe, die fünf Tage dauerten und zudenen Kämpfer und Zuschauer selbst aus den entlegenstenPflanzstädten zusammenströmten. Da rangen geübte Schnell-läufer um den Preis in der Laufbahn, dem Stadium,