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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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Wasserleitungen, die meist hoch über der Erde auf riesigenSteinbogen einherzogen. Noch heute erregen die Ruinen dieserstolzen Römerbauten das Erstaunen und die Bewunderungdes Wanderers gleicherweise in Asien, Afrika und Europa.

6. Ursachen des Verfalls. — Aber diesem Welt-frieden, dieser Bildung fehlte das höchste Gut der Völker,die Freiheit. Noch immer schmachtete allerorten eine un-geheure Menschenmasse in der Sklaverei, und gegen denSklaven galt alles für erlaubt. Kannten doch die Bewohnerdes Römerreiches, etwa die Griechen ausgenommen, keingrößeres Vergnügen, als im Amphitheater den Zuckungensterbender Sklaven, Verbrecher und Kriegsgefangenen zuzu-schauen, die als „Fechter“ (Gladiatoren) sich unter einanderzerfleischen oder sich von Löwen, Tigern, Panthern undandern Bestien zerreißen lassen mußten. Aber auch die-jenigen, die sich rühmten, Freie zu sein, waren im Grundewiederum rechtlose Sklaven gegenüber dem allmächtigenHerrscher und seinen Günstlingen. Von Trajan abgesehen,war es selbst unter den besseren Kaisern lebensgefährlich,etwas über den Staat zu sagen. Unzählige Späher undHorcher brachten über jeden, der eine unbedachte Äußerungwagte, Tod und Verderben. Die Folge davon war ein all-gemeiner Knechtsinn und eine unersättliche Sucht nach Ge-nuß, in welchem die Menschen für die verlorene FreiheitErsatz suchten. Die schönsten Tugenden der alten Welt,der opfermutige Bürgersinn, die heldenmütige Tapferkeitkamen immer mehr abhanden. Die Bewohner des Reichesverweichlichten völlig und verwandelten sich in eine wehr-lose Masse von Feiglingen. Nur einige besonders rohe Pro-vinzen, sowie die jenseits der Grenzen wohnenden Barbarenlieferten noch tüchtige Soldaten, und diese fühlten sich dennauch bei der Feigheit der übrigen als die Herren des Reiches.

7. Verfall des Reiches (3. und 4. Jahrh. n. Chr.).—Gegen Ende des zweiten Jahrhunderts brach der Verfallmit furchtbarer Schnelligkeit über das scheinbar so blühendeRömerreich herein. Die Soldaten maßten sich das Recht an,