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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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des Prinzen schlich und ihn hinterlistig ermordete. Abertrotz des Verlusts ihrse großen Führers behaupteten dieHolländer ihre Freiheit. Ja sie fügten dem Reiche PhilippsWunden zu, von denen es sich nicht wieder erholte. Daihnen Lissabon, der einzige Hafen, wo man bisher die indischenWaren hatte beziehen können, verschlossen wurde, fuhren sieselber nach Ostindien und legten dort Niederlassungen an. 1595Es dauerte nicht lange, so war die portugiesisch-spanischeSeeherrschaft in Indien zertrümmert und die niederländischean ihre Stelle getreten. Nachdem der Freiheitskrieg gegendie vierzig Jahre gedauert hatte, mußte Philipps II. Sohnund Nachfolger mit den Holländern einen Waffenstillstandschließen, in dem er ihre Unabhängigkeit anerkannte. Während 1609Belgien mit seinen Häfen unter dem Druck des spanischenDespotismus und Glaubenszwanges verödete, schwangen sichdie freien Niederlande im 17. Jahrhundert zum blühendstenSeestaat der Erde empor. Ihre Flotten beherrschten dieMeere; in allen Erdteilen legten sie Kolonien an, und Am-sterdam wurde jetzt der große Welthandelsplatz, wo dieReichtümer des Erdballs zusammenströmten.

§ 43. Philipp II. und Elisabeth von England.

1. Heinrich VIII. und Maria die Blutige. Eskam den Holländern sehr zustatten, daß Philipp II. in seinemunersättlichen Ehrgeiz stets viele Entwürfe nebeneinanderbetrieb und dadurch seine Kräfte zersplitterte. So plante erunter andern auch die Eroberung von England. Hierherrschte zur Zeit der Reformation Heinrich VIII., einwüster Despot, der sich in seinen Handlungen nur nach seinenLeidenschaften richtete. Anfänglich war er ein wütenderGegner der Reformation und schrieb sogar ein Buch widerLuther, was ihm von Rom aus den Ehrentitel einesVer-teidigers des christlichen Glaubens eintrug. Bald gerietjedoch der König über den Papst selber in heftigen Zorn,weil ihn dieser nicht von seiner Gemahlin scheiden wollte und