Buch 
Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
Entstehung
Seite
230
JPEG-Download
 

230

ihn hinderte, eine andere, die ihm besser gefiel, zu heiraten.Heinrich trennte daher seine Ehe aus eigener Macht und1580 riß die englische Kirche von Rom los, indem er sich zu ihremalleinigen Oberhaupte erklärte. Auch hob er die Klöster auf,nach deren Reichtümern er lüstern war. Aber bei alledemwollte er als Katholik gelten und verfolgte die AnhängerLuthers und Calvins, wie die des Papstes mit Henkerbeilund Scheiterhaufen. Erst unter seinem Sohne Eduard er-langten die eigentlichen Protestanten die Oberhand. Aberdieser starb nach kurzer Regierung. An seine Stelle tratseine Schwester Maria, Heinrichs VIII. Tochter aus ersterEhe, eine eifrige Katholikin. Diese hatte nichts Eiligeres zutun, als den Papst für die Ketzereien ihres Vaters undBruders um Verzeihung zu bitten, und verhängte über dieProtestanten eine fürchterliche Verfolgung. Hunderte starbenals Märtyrer in den Flammen, darunter selbst Frauen undKinder. Aber gerade diese Feuertaufe gewann die Massedes englischen Volkes erst recht der neuen Lehre und er-füllte sie mit unaustilgbarem Abscheu gegen Rom. Nur derTod Marias verhinderte einen allgemeinen Aufstand.

2. Die bischöfliche Kirche in England. Auf1558 dieblutige Maria folgte ihre 25jährige StiefschwesterElisabeth, Heinrichs VIII. Tochter aus zweiter Ehe. Diesemußte sich schon deshalb wieder den Protestanten zuwenden,weil der Papst die Ehe ihrer Mutter nicht als rechtmäßiganerkannte und daher auch das Anrecht der Tochter aufden Thron in Zweifel zog. So brachte Elisabeth die Refor-mation in England endgültig zum Siege. Doch behielt siedabei zum Verdruß der protestantischen Eiferer die Bischöfeund manche anderen Überbleibsel der alten Kirche bei, inder Hoffnung, ihre katholischen Untertanen würden sich umso leichter mit der Neuerung versöhnen. So entstand diebischöfliche oder anglikanische Kirche, die vonallen protestantischen am meisten Ähnlichkeit mit der katho-lischen hat.